Die Midterms haben den Kryptomarkt aufgewühlt, jetzt stützen Erzählungen die Stimmung: Elon Musks Energie-Aussage und die Bankenpleite in Paraguay liefern Bitcoin-Anhängern neue Argumente. Der Preis folgt allerdings erst einmal der Politik. Bitcoin steuerte zuletzt auf ein Wochenminus von rund zwei Prozent zu.
Washington bestimmt die Richtung
Die Republikaner haben ihre Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses verloren. Marktteilnehmer fürchten nun strengere Regulierung, denn mehrere Demokraten fordern härtere Auflagen bei Geldwäsche und Risikomanagement. Zudem blockierten sie bislang das lang erwartete Clarity-Gesetz. Weitere Krypto-Regulierung wäre überwiegend von den Republikanern getragen worden.
Besonders deutlich zeigt sich die Verunsicherung am Trump-Memecoin. Er verlor diese Woche mehr als 22 Prozent und markierte ein Rekordtief bei 1,116 Dollar. Vom Hoch kurz nach dem Start Anfang 2025 sind rund 99 Prozent verloren.
Hinzu kommt der Hack bei Binance. Die Angreifer erbeuteten rund 6,3 Milliarden Dollar, das FBI verortet sie in Nordkorea. Kunden zogen netto gut 4,7 Milliarden Dollar ab. Der Kryptomarkt verlor binnen eines Monats insgesamt etwa 300 Milliarden Dollar an Wert, auch wegen Sorgen um KI-Erträge und steigender Kreditkosten.
Musks Watt-These: mehr Deutung als Beleg
Musk erwartet, dass Währung künftig in Masse, Leistung und Energie gemessen wird. Das Wort Bitcoin fiel im Gespräch nicht. Beobachter lesen die Aussage dennoch als Rückenwind für die Kryptowährung.
Capriole-Gründer Charles Edwards sieht darin eine Bestätigung seines Modells von 2019. Es leitet einen Energiewert aus Hashrate, Hardware-Effizienz und Angebotswachstum ab. Der Preis kehre zu diesem Wert zurück, die Erklärungskraft liege bei 80 Prozent. Das Paper räumt jedoch selbst ein, dass die Schätzung stark von der angenommenen Hardware-Effizienz abhängt. Quantencomputing könnte den Wert zusätzlich drücken.
Paraguay als Argument für Selbstverwahrung
Der Kollaps der Digitalbank Ueno sperrte rund 2,9 Millionen Kunden den Zugang zu ihren Konten, mehr als 60 Prozent der Erwachsenen des Landes. Präsident Santiago Peña kündigte seinen Rücktritt an. Das Abgeordnetenhaus stimmte kurz darauf einstimmig für ein Amtsenthebungsverfahren.
In der Krypto-Szene dient der Fall als Beleg für das Prinzip „Not your keys, not your coins“. Wer seine privaten Schlüssel selbst kontrolliert, braucht keine Bank, die ein Konto freigibt. Der Preis dafür: Gehen die Schlüssel verloren, gibt es keine Hilfe und keine Instanz, die Gelder wiederherstellt.
Kurzfristig dürften Regulierungssignale aus Washington und das Vertrauen in Handelsplätze den Kurs stärker prägen als jede Währungsvision. Als Indikator für die Energie-These taugt die Hashrate, die Capriole als Basis seines Modells nutzt.
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