BKW wagt einen radikalen Schritt. Das Energieunternehmen kündigt an, die Vergütung für eingespeisten Solarstrom grundlegend umzustellen. Ab Mitte 2026 erhalten Produzenten nicht mehr feste Preise – sie verkaufen ihren Strom dann zu Spotmarktpreisen.

Das klingt unspektakulär, ist es aber nicht. An sonnigen Tagen mit Überangebot fallen die Strompreise oft in den Negativbereich. Wer dann einspeist, zahlt drauf. Wer dagegen seinen Eigenverbrauch in die Mittagsstunden legt und Überschüsse abends verkauft, kann profitieren.

Der Konzern aus Bern reagiert auf ein wachsendes Problem: Immer mehr Solaranlagen produzieren gleichzeitig. Das drückt die Preise. BKW will Anreize setzen, damit Produzenten flexibler werden – und nicht einfach blind einspeisen.

Ein Baustein der „Solutions 2030″-Strategie

Das neue Preismodell ist Teil der langfristigen Strategie. Bis 2030 will BKW über 600 Megawatt erneuerbare Kapazität zubauen. Gleichzeitig investiert der Konzern massiv in eigene Flexibilitätssysteme – Wasserkraftwerke, Batteriespeicher, Steuerung von Drittanlagen.

Das Ziel: Emissionen bis 2040 auf Netto-Null senken. Diverse Projekte in der Schweiz und Europa laufen bereits.

Aktie im Abwärtstrend

Die strategische Neuausrichtung kommt in einem schwierigen Marktumfeld. Die BKW-Aktie schloss am Freitag bei 151,30 Euro – ein Minus von 1,69 Prozent an einem Tag. Seit Jahresanfang liegen die Verluste bei 17,41 Prozent.

Das 52-Wochen-Hoch von 197,80 Euro ist Geschichte. Der Kurs notiert 23,5 Prozent darunter. Der RSI von 32,2 deutet auf einen überverkauften Zustand hin – technisch gesehen eine übertriebene Abwärtsbewegung.

Die entscheidenden Daten für Anleger: Die operative Umsetzung des neuen Modells startet Mitte 2026. Im August folgen die Quartalszahlen für das zweite Quartal. Sie werden zeigen, ob die Strategie erste Früchte trägt.