Der KI-Boom braucht frisches Geld, und zwar nicht nur Schulden. Blackstone-Präsident Jon Gray hat auf einem Finanzgipfel in Hongkong davor gewarnt, dass Kreditgeber zu stark in die Abhängigkeit der KI-Treiber geraten. Seine Lösung: mehr Eigenkapital.

Kreditgeber mit begrenztem Ertrag

Die Dimension des Kapitalbedarfs schaffe Konzentrationsrisiken für Schuldeninvestoren, sagte Gray, und zwar im Sektor wie bei einzelnen Unternehmen. Aktionäre profitieren vom Wachstum einer Firma. Gläubiger dagegen verdienen im Wesentlichen nur Zinsen und erhalten ihr Kapital zurück.

Gray rechnet deshalb mit weiteren Kapitalerhöhungen der großen Technologiekonzerne. Er verwies auf Meta, Google und Oracle, die Eigenkapital aufnehmen, sowie auf die erwarteten Börsengänge von SpaceX und Anthropic. Hinzu kämen enorme Investitionen in Rechenzentren und Energie.

Pimco-Chef Emmanuel Roman zeichnete auf derselben Bühne ein düsteres Bild. Die KI-Investitionen könnten in den kommenden fünf Jahren rund 10 Billionen Dollar erreichen. In diesem Jahr seien bereits etwa 550 Milliarden Dollar an KI-Schulden in verschiedenen Formen platziert worden. „Irgendwann wird es zu viel“, sagte Roman und verglich die Summen mit einem globalen Unternehmensanleihemarkt von rund 20 Billionen Dollar.

Nachfrage übersteigt Angebot

Grays Zuversicht für KI-Infrastruktur bleibt trotzdem ungebrochen. Die Nachfrage nach Rechenleistung laufe „deutlich dem Angebot voraus“, sagte er. Die Ausgaben für KI-Modelle in den Portfoliounternehmen von Blackstone hätten sich binnen eines Jahres verzwanzigfacht, etwa für Programmierung, Kundenansprache und Content-Erstellung.

Die Finanzierung stemmen soll laut Gray ein Mix aus öffentlichen Märkten, Banken und privatem Kapital. Unternehmen setzten zunehmend auf strukturierte Transaktionen, um ihre Verschuldung zu begrenzen. Auch die Barmittel der Hyperscaler deckten einen Teil ab. Das Nadelöhr liege woanders: Flächen, Genehmigungen, Chips, Strom und Kapital seien immer schwerer zu bekommen.

Der Zeitpunkt passt ins Bild. Technologiewerte stehen weltweit seit Wochen unter Druck, weil Sorgen über die KI-Ausgaben neue Verkaufswellen auslösten.

Eigene Anleihen platziert

Blackstone selbst nutzt derweil den Anleihemarkt. Der Konzern hat gestern zwei Senior-Notes-Tranchen über zusammen 1,1 Milliarden Dollar abgeschlossen: 600 Millionen Dollar mit 5,650 Prozent Kupon bis 2031 und 500 Millionen Dollar mit 5,900 Prozent bis 2033. Die Erlöse sollen in die allgemeine Unternehmensfinanzierung fließen.

Die Aktie schloss zuletzt bei 120,14 Dollar, ein Plus von 1,38 Prozent, und gab nachbörslich leicht nach.