Ein dritter Rückruf binnen eines Jahres, ein schwächelnder China-Markt und eine neue Luxussteuer aus Peking. Bei BMW kommt derzeit einiges zusammen. Der Kurs schloss am Freitag bei 56,86 Euro, nur wenige Cent über dem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro.

Starterrelais sorgt zum dritten Mal für Ärger

Am 20. Juli weitete BMW einen Rückruf wegen möglicher Anlasser-Probleme aus. Inzwischen sind weltweit mehr als 740.000 Fahrzeuge betroffen. Es ist bereits die dritte ähnliche Aktion seit Herbst 2025.

Grund sind Ablagerungen im Starterrelais. Im schlimmsten Fall drohen dadurch ein Kurzschluss und Brandgefahr. Verletzte gab es bislang keine, der Austausch ist für Kunden kostenlos.

Für die Bilanz ist das zunächst verkraftbar. Für das Vertrauen der Anleger ist es das nicht. BMW befindet sich in einer fragilen Phase, seit der Vorstand die operative Prognose einmal gesenkt hat. Jede weitere schlechte Nachricht trifft die Aktie seitdem härter, selbst wenn sie eher das Markenimage als die Zahlen belastet.

China wird zum zweiten Problemfeld

Neben dem Rückruf sorgt eine Entwicklung aus China für zusätzlichen Druck. Laut Berichten müssen deutsche Premiumhersteller wie BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen mit einer neuen chinesischen Luxussteuer rechnen.

Für BMW trifft das einen ohnehin wunden Punkt. Die Auslieferungen in China gingen im ersten Halbjahr um 20,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Eine zusätzliche Steuer auf Premiumfahrzeuge würde die Nachfrage in einem Markt weiter dämpfen, der für BMW seit Jahren an Kraft verliert.

Rückruf und Steuerdruck treffen damit auf dieselbe Schwachstelle: den chinesischen Absatzmarkt. Genau deshalb wiegt die aktuelle Häufung an negativen Nachrichten schwerer als jede einzelne für sich.

Chart zeigt anhaltenden Abwärtstrend

Seit dem 52-Wochen-Hoch von 97,90 Euro im Dezember 2025 hat die Aktie rund 42 Prozent verloren. Der RSI liegt bei 30,7 und signalisiert eine überverkaufte Situation. Der Kurs notiert klar unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 80,13 Euro.

Diese Kennzahlen beschreiben eine Aktie, die technisch stark unter Druck steht, aber auch Spielraum für eine Gegenbewegung bietet. Ob dieser Spielraum genutzt wird, hängt stark vom nächsten Termin ab.

Deutsche Bank bleibt trotz erwarteter Schwäche optimistisch

Am 30. Juli veröffentlicht BMW die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr. Die Ergebnisse dürften zeigen, wie stark Rückrufkosten und die China-Schwäche das operative Geschäft belasten.

Nicht alle Marktbeobachter sind pessimistisch. Deutsche Bank Research bestätigte zuletzt ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 90 Euro. Analyst Tim Rokossa rechnet zwar mit schwachen Quartalszahlen wegen Preisdruck und rückläufiger China-Verkäufe, hält die aktuelle Bewertung aber für attraktiv.

Der 30. Juli wird damit zum entscheidenden Test. Zeigen die Zahlen, dass Rückrufkosten und China-Schwäche beherrschbar bleiben, könnte das die überverkaufte Aktie stabilisieren. Fällt die Bilanz schlechter aus als erwartet, dürfte die Serie negativer Nachrichten den Kurs weiter unter Druck setzen.