BMW baut seine Elektromotoren-Fabrik in Steyr im Rekordtempo aus. Zeitgleich bricht der Absatz in China um fast ein Drittel ein. Die Aktie taumelt nahe ihrem Jahrestief – zwei Nachrichten, die kaum widersprüchlicher sein könnten.

Am Freitag notiert die BMW-Aktie bei 58,10 Euro, ein Minus von 0,58 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 40 Prozent verloren und liegt nur noch 1,82 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 57,06 Euro. Der RSI von 30,6 zeigt: Die Aktie gilt charttechnisch als überverkauft.

Steyr produziert jetzt im Zweischichtbetrieb

Seit dem 6. Juli laufen die Bänder im österreichischen Werk Steyr in zwei Schichten. Gefertigt werden Elektromotoren der sechsten eDrive-Generation für die „Neue Klasse“. Die Kapazität steigt damit auf über 4.000 Motoren pro Woche.

Das Werk war lange für Verbrennungsmotoren bekannt. Jetzt liefert es Antriebe für den BMW iX3 und den BMW i3 direkt an das ungarische Montagewerk Debrecen. Für 2026 plant BMW deutlich über 100.000 E-Motoren – nach nur rund 8.500 Vorserien-Einheiten im Vorjahr.

Der Hochlauf zeigt: BMW meint es ernst mit der Elektro-Offensive. Die eigentliche Herausforderung liegt allerdings woanders.

China bricht massiv ein

Im zweiten Quartal 2026 lieferte BMW weltweit 590.962 Fahrzeuge aus. Das sind 4,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Grund liegt vor allem in einem Markt: China.

Dort brach der Absatz von BMW und MINI um 30,2 Prozent auf 117.817 Einheiten ein. BMW nennt intensiven Preiswettbewerb und ein verändertes Marktumfeld in Asien-Pazifik als Ursache. Andere Regionen liefen deutlich besser:

  • USA: Auslieferungen stiegen im Quartal um 11,9 Prozent
  • Europa (ohne Deutschland): Plus von 7,6 Prozent
  • MINI: Zuwachs von 17,1 Prozent auf 81.035 Einheiten

In der ersten Jahreshälfte summierten sich die weltweiten Auslieferungen auf 1.156.700 Fahrzeuge. Das entspricht einem Rückgang von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Vorstand betont, dass Europa und Nordamerika trotz globaler Unsicherheiten stabil laufen.

Aktie unter Druck

Der Kursverfall zeigt sich auch in den Durchschnittswerten. Die Aktie liegt fast 16 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und fast 30 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 82,03 Euro. Vom Hoch bei 97,90 Euro im Dezember trennen das Papier mittlerweile über 40 Prozent.

Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 35,58 Milliarden Euro. Die hohe Volatilität von 31,38 Prozent auf Jahresbasis zeigt: Anleger bewerten die Lage nervös.

Am 30. Juli legt BMW die vollständige Halbjahresbilanz vor. Bis dahin bleibt die Kernfrage offen: Reichen die Wachstumsraten in den USA und Europa, um die Verluste in China auszugleichen? Für 2028 plant BMW zusätzlich den Serienstart des iX5 Hydrogen – ein weiterer Baustein der Strategie, sich technologisch breiter aufzustellen.