BMW-Chef Milan Nedeljkovic hat am Dienstagabend nach Börsenschluss eine überraschend deutliche Prognosesenkung verkündet. Der neue Konzernlenker, der den optimistischeren Oliver Zipse ablöste, musste einräumen: Die Lage ist ernster als bislang kommuniziert.
Halbierte Margenerwartung
Die Autosparte rechnet für 2026 nur noch mit einer operativen Gewinnmarge von 1 bis 3 Prozent — bisher standen 4 bis 6 Prozent im Plan. Das ist keine leichte Korrektur. Parallel sinkt der erwartete Barmittelzufluss im Autogeschäft von über 4,5 Milliarden Euro auf mehr als 2,5 Milliarden Euro. Beim Vorsteuergewinn des Konzerns ist nun ein deutlicher statt bislang nur moderater Rückgang gegenüber 2025 eingeplant. Die Auslieferungen dürften leicht zurückgehen statt auf Vorjahresniveau zu bleiben.
Der Hauptauslöser liegt in China. Die Nachfrageschwäche dort hat sich im zweiten Quartal weiter beschleunigt — mit Folgen für den gesamten asiatisch-pazifischen Markt, wo BMW in einen schärferen Preiswettbewerb geraten ist. Hinzu kommt der Nahostkonflikt: Hohe Energiepreise belasten die Produktionskosten, und die gedrückte Verbraucherstimmung bremst den Absatz in der Region zusätzlich.
Sparen ohne klare Kontur
BMW will mit Struktur- und Effizienzmaßnahmen gegensteuern. Konkrete Details, welche Bereiche betroffen sind oder ob Stellen wegfallen, nannte das Unternehmen nicht. Die Spareffekte sollen erst in den Folgejahren spürbar werden — das zweite Halbjahr 2026 wird durch die Maßnahmen einmalig belastet.
Kein Wunder, dass die Ankündigung Investoren aufschreckte: Nachbörslich fiel die Aktie auf Tradegate um gut fünf Prozent. Am nächsten Morgen erholte sie sich wieder auf den Vortagsstand. Die Aktie hat in diesem Jahr bereits mehr als ein Viertel ihres Wertes eingebüßt.
Nedeljkovic setzt seinen öffentlichen Akzent trotzdem auf die Zukunft. Die „Neue Klasse“ — BMWs nächste Elektroauto-Generation — soll in den kommenden beiden Jahren für Schwung sorgen. Das Unternehmen blieb bislang von den einschneidenden Personalmaßnahmen verschont, mit denen Volkswagen und Mercedes-Benz ihre Strukturen gerade umbauen. Ob das so bleibt, wenn sich die Marktbedingungen weiter verschärfen, ließ Nedeljkovic bewusst offen. Die nächsten Quartalszahlen für das zweite Quartal dürften zeigen, wie tief der Einschnitt tatsächlich ausfällt.
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