BMW steckt in einer schwierigen Lage. Der Autobauer aus München kämpft nicht nur mit schwachen Quartalszahlen. Jetzt droht auch noch der Rauswurf aus dem EuroStoxx 50.
JPMorgan-Indexanalyst Pankaj Gupta rechnet bei der Index-Überprüfung im September mit gleich drei Wechseln. Betroffen sind neben BMW auch Volkswagen und der niederländische Informationsdienstleister Wolters Kluwer. Alle drei erfüllen aktuell die Verbleibe-Kriterien nicht mehr.
Der Grund liegt in der Marktkapitalisierung. Wer nach seinem Streubesitzwert auf Platz 61 oder schlechter liegt, fliegt aus dem Index. VW rangiert derzeit auf Platz 64, Wolters Kluwer auf Platz 63, BMW auf Platz 62.
Wer könnte nachrücken?
Als mögliche Nachrücker gelten laut JPMorgan-Analyse drei Kandidaten. Die französische Großbank Societe Generale dürfte laut Gupta zuerst aufsteigen. Danach rechnet er mit der Aufnahme des Energiekonzerns Engie. Auch eine Rückkehr des Energieversorgers E.ON hält er für gut möglich.
Die Konsequenzen wären für BMW-Aktionäre spürbar. Passive Indexfonds, die den EuroStoxx 50 nachbilden, müssten ihre BMW-Positionen abbauen. Das würde zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen.
ISS Stoxx gibt die endgültige Entscheidung am Dienstagabend, 1. September, bekannt. Die Änderungen treten dann am Montag, 21. September, in Kraft.
Analysten uneins über die Aktie
Die Index-Diskussion trifft BMW in einer Phase widersprüchlicher Einschätzungen. Bernstein Research bleibt trotz gesenktem Kursziel optimistisch. Die Analysten senkten ihre Zielmarke von 85 auf 82 Euro, behielten aber die Einstufung „Outperform“ bei.
Analyst Stephen Reitman verwies auf die bereits gesenkte Jahresprognose des Autobauers. Die Erwartungen an die Quartalszahlen seien entsprechend niedrig gewesen. Jetzt komme es darauf an, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.
Die DZ Bank sieht das deutlich kritischer. Sie stufte die Aktie auf „Halten“ herab und senkte den fairen Wert auf 65 Euro. RBC Capital Markets bleibt bei „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 62 Euro. JPMorgan dagegen bestätigt „Overweight“ mit einem Kursziel von 82 Euro.
Das Bild bleibt gespalten. Zwischen 62 und 85 Euro liegt eine große Spanne – ein Zeichen für die Unsicherheit am Markt.
Schwache Zahlen als Belastung
Die Index-Sorgen kommen zur Unzeit. BMW meldete für das zweite Quartal einen deutlichen Umsatzrückgang. Die Gewinnmarge in der Autosparte sank spürbar.
Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern brach um 38,7 Prozent ein. Hauptgrund war der schwache Absatz in China. Der neue Konzernchef bestätigte trotz der Belastungen die bereits gesenkte Jahresprognose.
Die Aktie schloss am Freitag bei 59,46 Euro, ein Tagesminus von 1,69 Prozent. Damit liegt sie nur noch 5,4 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro. Der RSI von 46,8 zeigt weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation an.
In den kommenden Wochen entscheidet sich, ob BMW den Anschluss an die EuroStoxx-50-Konkurrenz hält. Die endgültige Index-Entscheidung fällt am 1. September, wirksam wird sie am 21. September. Bis dahin dürfte die relative Kursentwicklung gegenüber den Wettbewerbern im Vordergrund stehen.
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