Liebe Leserinnen und Leser,
100 Dollar für ein Fass Brent-Öl – diese Marke ist heute zurück, und mit ihr kehren Inflationsangst, steigende Anleiherenditen und nervöse Märkte zurück an den Verhandlungstisch. Der DAX schloss mit einem moderaten Minus von 0,21 Prozent bei 23.590 Punkten – eine Zahl, die ruhiger klingt, als der Tag war. Denn hinter der vergleichsweise stabilen Indexoberfläche spielten sich heute Unternehmensdramen ab, die für langfristig denkende Anleger weit relevanter sind als die tägliche Ölpreisachterbahn. BMW liefert Zahlen, die besser sind als befürchtet. Zalando schießt nach oben. Und bei Thyssenkrupp droht ein Deal zu platzen, der alles verändern könnte.
Der Ölpreis als Taktgeber – aber diesmal ohne Panik
Vor wenigen Tagen noch herrschte regelrechte Panik: Brent kletterte kurzzeitig auf fast 120 Dollar, die Straße von Hormus war unpassierbar, der Iran begann sie offenbar zu verminen. Heute notiert Rohöl wieder bei rund 100 Dollar – und die Reaktion der Märkte ist merklich ruhiger als noch zu Wochenbeginn.
Das ist kein Zeichen von Entspannung, sondern von Gewöhnung. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat eine Rekordmenge von 400 Millionen Barrel aus den strategischen Reserven freigegeben – und trotzdem steigen die Preise. UBS-Experte Henri Patricot bringt es auf den Punkt: Die Freigabe kauft Zeit, löst aber nichts. Solange der Iran weiter Energieinfrastruktur im Golf angreift und Tanker kaum durch die Straße von Hormus kommen, bleibt eine massive Risikoprämie im Preis eingepreist.
Für deutsche Anleger ist das eine direkte Bedrohung: Laut RBC-Analystin Anke Reingen erhöht jeder Anstieg um 15 Dollar je Barrel den Verbraucherpreisindex der Eurozone um 0,3 Prozentpunkte. Bei dauerhaft 100 Dollar Brent könnte die Eurozone-Inflation auf 3 Prozent steigen – was Zinssenkungsfantasien der EZB empfindlich dämpft.
BMW: Besser als der Ruf – und besser als die Konkurrenz
Eigentlich sollte dieser Tag für BMW-Aktionäre ein schlechter sein. Der Umsatz sank 2025 um 6,3 Prozent auf 133,5 Milliarden Euro, das EBIT schrumpfte um 11,5 Prozent auf 10,19 Milliarden Euro. Und der Free Cashflow in der Autosparte brach von 4,9 auf 3,2 Milliarden Euro ein.
Doch der Kurs drehte ins Plus – um gut ein Prozent auf 81,74 Euro. Warum? Weil der Vergleich zählt. Während Mercedes und Volkswagen ihre Gewinne 2025 jeweils nahezu halbierten, steht BMW mit einem Rückgang von 3 Prozent vergleichsweise solide da. Dazu kommt eine überraschend erhöhte Dividende von 4,40 Euro je Stammaktie – zehn Cent mehr als im Vorjahr, trotz Gewinnrückgang.
Der strukturelle Vorteil der Münchner: ein großes eigenes Werk in den USA, das rund 413.000 Fahrzeuge produziert, und flexible Produktionslinien, auf denen Verbrenner, Hybride und Elektroautos parallel laufen. Finanzchef Walter Mertl erwartet zudem, dass Zollerleichterungen im transatlantischen Handel ab dem zweiten Halbjahr spürbar werden. Für 2026 peilt BMW eine Ebit-Marge von 4 bis 6 Prozent in der Autosparte an – ein vorsichtiges Ziel, das Analysten zuvor am oberen Ende dieser Spanne erwartet hatten. Das dürfte spannend werden, wenn Nachfolger Milan Nedeljkovic am 14. Mai das Steuer übernimmt – ausgerechnet in dem Moment, in dem die neue Elektro-Plattform „Neue Klasse“ mit dem iX3 gerade erst anrollt.
Zalando springt, Hannover Rück und RWE überzeugen: Die Zahlenflut hat Gewinner
Neun Prozent plus an einem Tag – das war Zalando heute. Der Online-Modehändler überraschte nicht nur mit soliden Zahlen, sondern vor allem mit einem Aktienrückkaufprogramm von bis zu 300 Millionen Euro bis Mitte Juli. In einem Markt, der von Unsicherheit geprägt ist, ist das ein klares Signal: Das Management glaubt an die eigene Aktie.
Hannover Rück legte ebenfalls kräftig zu – plus 4,5 Prozent. Der Rückversicherer hebt die Dividende von 9 auf 12,50 Euro an, fünf Prozent über der Markterwartung. Für 2026 peilt Vorstandschef Clemens Jungsthöfel noch mehr Gewinn an – trotz der schwer kalkulierbaren Belastungen durch den Persischen-Golf-Konflikt.
Auch RWE überzeugte: plus 3,9 Prozent. Der Energiekonzern schlug die Erwartungen, überraschte positiv beim Offshore-Windgeschäft und stellt seinen Aktionären steigende Dividenden in Aussicht. Der Dividendenvorschlag von 1,20 Euro je Aktie entspricht zwar der Markterwartung – aber der langfristige Ausblick mit stärkerem Fokus auf das US-Geschäft signalisiert strategische Klarheit in unklaren Zeiten.
Anzeige: Genau solche Kursbewegungen – wie die heutigen Sprünge bei Zalando, Hannover Rück oder RWE – sind der Rohstoff, aus dem das „Cash-Alarm“-System seine Handelssignale destilliert. Das kostenlose Live-Webinar „Die Cash-Rallye: 20 Cash-Trades in den nächsten 10 Wochen“ stellt eine Strategie vor, die technische Ausbruchssignale (Donchian-Channel), Volumenanalyse und fundamentale Auslöser kombiniert, um gezielt in solche Bewegungen einzusteigen – quer durch alle Sektoren, von DAX-Werten bis zu Rohstoffen und Kryptos. Laut den vorgestellten Handelsergebnissen lag der durchschnittliche Gewinn bei +62,5 % pro Trade; als Referenzbeispiele werden unter anderem Siemens Energy (+96,9 %), Commerzbank (+51,2 %) und SAP (+30,0 %) genannt. Zweimal pro Woche – dienstags und donnerstags – sollen konkrete Einstiegssignale per E-Mail verschickt werden, sodass kein Vorwissen und keine Spezialsoftware erforderlich sind. Wer sich heute anmeldet, erhält den ersten Trade sowie einen Sektor-Report zu vier Wachstumsbranchen kostenlos. Zum kostenlosen Cash-Alarm-Webinar und erstem Trade-Signal
Thyssenkrupp: Wenn ein Rettungsanker zu reißen droht
Während andere DAX-Werte heute Gewinne feierten, sackte Thyssenkrupp um rund zehn Prozent ab – auf 8,11 Euro, den tiefsten Stand seit September 2025. Der Auslöser: wachsende Zweifel daran, dass der geplante Deal mit dem indischen Stahlkonzern Jindal Steel & Power überhaupt zustande kommt.
Die Stahlsparte von Thyssenkrupp ist Deutschlands größter Stahlhersteller – und seit Jahren ein schwerer Klotz am Bein des Konzerns. Konjunkturschwäche, Überkapazitäten, Billigimporte aus Asien, hohe Energiepreise: Das Rezept für eine Dauerkrise. Ein Einstieg von Jindal wäre die erhoffte Lösung gewesen. Doch nach Berichten, dass Jindal weitere Kostensenkungen verlangt, ist es ruhig geworden um die Verhandlungen. Thyssenkrupp-Chef Miguel López sprach zuletzt nur noch von „konstruktivem Austausch“ – ein Satz, der in der Unternehmenskommunikation selten Gutes bedeutet.
Aktienexperte Frederik Altmann von Alpha-Wertpapierhandel fasst es treffend zusammen: „Das Stahlgeschäft ist schon länger ein schwerer Klotz am Bein von Thyssen und die Hoffnung am Markt ist groß, dass nach langer Suche endlich eine Lösung gefunden werden könnte.“ Platzt der Deal, droht Thyssenkrupp ein teures Umstrukturierungsprogramm ohne strategischen Partner. Kein Wunder, dass Anleger heute die Reißleine zogen.
Deutsche Bank: Rekordgewinn trifft Rechtsrisiken
Die Deutsche Bank hat 2025 mit 9,7 Milliarden Euro vor Steuern den höchsten Vorsteuergewinn ihrer Geschichte eingefahren – und zahlt entsprechend: 2,7 Milliarden Euro Boni an die Belegschaft, CEO Christian Sewing kommt auf knapp 10,5 Millionen Euro Gesamtvergütung.
Doch der Markt schaute heute auf etwas anderes: Vier frühere Mitarbeiter fordern im Zusammenhang mit alten Geschäften rund um die italienische Bank Monte dei Paschi Schadensersatz von mehr als 600 Millionen Pfund – rund 700 Millionen Euro. Ein fünfter Ex-Banker klagt auf weitere 152 Millionen Euro. Die Deutsche Bank hält alle Klagen für unbegründet und hat nach eigenen Angaben nicht offengelegt, ob sie Rückstellungen gebildet hat. Die Aktie verlor heute rund fünf Prozent.
Gleichzeitig machten Berichte über Turbulenzen bei privaten Kreditfonds in den USA die Runde – was auch Commerzbank (minus 4,1 Prozent) mit nach unten zog. Der Finanzsektor steht heute unter doppeltem Beschuss: Rechtsrisiken und Marktunsicherheit.
Bitcoin: Ruhig im Sturm
Während Öl, Aktien und Anleihen heute Achterbahn fuhren, zeigte Bitcoin eine bemerkenswerte Ruhe. Der Kurs pendelte den Tag über um die 70.000 Dollar-Marke – leichte Verluste von unter einem Prozent, kein Ausbruch nach oben, kein Einbruch nach unten.
Das ist in gewisser Weise die eigentliche Nachricht. In einem Marktumfeld, das von geopolitischen Schocks, Inflationsangst und steigenden Anleiherenditen geprägt ist, hält Bitcoin die Linie. Der Dollar legt zu – was traditionell als Gegenwind für Bitcoin gilt – und trotzdem bleibt der Kurs stabil. Ob das Stärke ist oder nur Erschöpfung, lässt sich noch nicht sagen. Aber wer auf einen Ausverkauf im Krypto-Sektor gewartet hat, der wartet weiter.
PayPay-IPO: Japans Fintech-Moment
Abseits der europäischen Schlagzeilen gab es heute ein bemerkenswertes Debüt: PayPay, das japanische Fintech-Schwergewicht aus dem SoftBank-Portfolio, startete an der Nasdaq. Der Ausgabepreis lag bei 16 Dollar, der Erstkurs bei 19 Dollar – ein Aufschlag von fast 19 Prozent.
Mit einer Bewertung von rund 10,7 Milliarden Dollar ist es das größte IPO eines japanischen Unternehmens in den USA seit zehn Jahren. Das Timing ist mutig: Der Ausgabepreis lag bewusst unter der ursprünglichen Bookbuilding-Spanne, um dem schwierigen Marktumfeld Rechnung zu tragen. Das frische Kapital soll in den Ausbau zur „Super-App“ fließen – von Zahlungen über Kredite bis zu Investmentprodukten. Für Anleger, die auf das Wachstum des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in Asien setzen wollen, ist das ein neuer Baustein im Universum.
Ausblick: Was morgen zählt
Morgen, Freitag den 13. März, wird es konjunkturell interessant: Die zweite Veröffentlichung des US-BIP für Q4/2025 steht an, ebenso US-Daten zu privaten Einkommen und Ausgaben sowie das vorläufige Verbrauchervertrauen der Universität Michigan. Aus Deutschland kommen Großhandelspreise und – bemerkenswert in der aktuellen Lage – die Insolvenzzahlen für Dezember und das Gesamtjahr 2025. Auch der Allianz-Geschäftsbericht erscheint morgen.
In der kommenden Woche rückt dann das große Zinsdrama in den Fokus: Am 19. März entscheidet die EZB über den Leitzins – in einem Umfeld, in dem der Ölpreisschock die Inflationserwartungen neu sortiert und Zinssenkungsfantasien unter Druck setzt. Das wird der eigentliche Test für die Nerven der Märkte.
Der heutige Tag zeigt einmal mehr: Die Oberfläche des DAX erzählt nur einen Teil der Geschichte. Die echten Weichenstellungen – ob Thyssenkrupps Stahl-Deal hält, wie BMW die Neue Klasse skaliert, ob die EZB im März noch den Mut zur Zinssenkung aufbringt – die spielen sich im Hintergrund ab. Behaltet den Überblick.
Bis morgen,
Andreas Sommer


