Die neuen Kapitalanforderungen der Europäischen Zentralbank ändern nach Einschätzung von BNP Paribas nichts an ihrer Kapitalplanung. Die Bank teilte gestern mit, dass die jüngste aufsichtliche Überprüfung ihre Anforderung an das harte Kernkapital nur geringfügig erhöht. Für Anleger ist das auch mit Blick auf eine mögliche höhere Ausschüttungsquote wichtig: Diese steht zur Diskussion, ist aber noch nicht beschlossen.
Begrenzte Wirkung auf das harte Kernkapital
Die Säule-2-Anforderung aus der aufsichtlichen Überprüfung SREP beträgt 1,90 Prozent. Damit liegt sie um 17 Basispunkte über dem Wert der Überprüfung von 2025.
BNP Paribas unterscheidet dabei zwischen dem Anstieg dieser Anforderung und dessen Wirkung auf das harte Kernkapital. Nach Unternehmensangaben fällt die zusätzliche Belastung für die CET1-Anforderung deutlich geringer aus. Die höhere Säule-2-Vorgabe lässt sich deshalb nicht unmittelbar mit einer entsprechend höheren CET1-Belastung gleichsetzen.
Die Anforderung an die harte Kernkapitalquote beträgt ab dem 1. Januar 2027 insgesamt 10,73 Prozent. Gegenüber der vorherigen SREP-Überprüfung beziffert BNP Paribas den CET1-Effekt auf lediglich zwei Basispunkte.
Die Bank erklärt ausdrücklich, dass dies ihren geplanten Kapitalpfad nicht verändert. Die neue Aufsichtsvorgabe ist damit aus Unternehmenssicht kein Anlass, die Kapitalplanung anzupassen. Das ist die zentrale Einordnung der gestrigen Mitteilung – nicht allein der isolierte Anstieg der Säule-2-Anforderung.
Gewinnentwicklung stützt den Kapitalausblick
Am Mittwoch hatte BNP Paribas für das dritte Quartal 2026 einen Nettogewinn von 3.456 Millionen Euro gemeldet. Das entsprach einem Zuwachs von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Reuters zufolge trug vor allem das starke Investmentbanking zum Ergebnis bei. Insbesondere das Aktiengeschäft und die Dienstleistungen für professionelle Investoren lieferten einen deutlichen Wachstumsbeitrag. Die jüngsten Geschäftszahlen bilden damit den operativen Hintergrund für den Kapitalausblick der Bank.
BNP Paribas erwartet zum 31. Dezember 2026 eine harte Kernkapitalquote von mehr als 13 Prozent. Diese Angabe bleibt eine Prognose und ist kein bereits erreichter Jahresendwert.
Höhere Ausschüttungsquote bleibt eine Option
Neben den regulatorischen Vorgaben steht die künftige Gewinnverwendung im Fokus. Hier müssen Anleger zwischen der bestätigten Einschätzung zur Kapitalplanung und einer möglichen Änderung der Ausschüttungspolitik unterscheiden.
Vorstandschef Jean-Laurent Bonnafé sagte am Mittwoch laut Reuters, die jährliche Gewinnausschüttungsquote könnte von 60 auf 70 Prozent steigen. Eine endgültige Entscheidung soll erst nach den anstehenden Beratungen des Verwaltungsrats fallen.
Die begrenzte zusätzliche CET1-Belastung ändert laut Bank nichts am Kapitalpfad. Sie ersetzt jedoch keinen Beschluss zur Gewinnverwendung. Für Anleger bleiben deshalb zwei getrennte Aussagen maßgeblich: BNP Paribas bestätigt ihre Kapitalplanung; eine höhere Ausschüttungsquote ist weiterhin eine Option.
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