BNP Paribas erscheint gemessen am Gewinn günstig. Ob daraus eine Kaufgelegenheit entsteht, hängt allerdings auch von den Finanzierungskosten und erwarteten Einsparungen ab. Eine heute veröffentlichte Bewertungsanalyse hebt den Abschlag gegenüber anderen Banken hervor. Gleichzeitig könnte eine mögliche Erhöhung des französischen Livret-A-Sparzinses die Profitabilität belasten.

Niedrige Bewertung setzt Gewinnstabilität voraus

Medienberichten zufolge liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von BNP Paribas im Oktober bei etwa 7,2. Für die Bankenbranche werden 11,1 und für Vergleichsunternehmen rund 10,7 genannt. Die aktuelle Analyse stuft die Aktie auf dieser Grundlage als unterbewertet ein.

Der Bewertungsabstand allein beantwortet jedoch nicht, wie belastbar die erwarteten Gewinne sind. Für Anleger kommt es deshalb darauf an, ob BNP Paribas die unterstellten Effizienzfortschritte erreicht und zusätzliche Belastungen im Einlagengeschäft auffangen kann. Ein niedriger Gewinnmultiplikator ist zunächst ein Bewertungsargument, keine Zusage steigender Kurse.

Eine in der Analyse angeführte Anlegerbewertung erwartet für den Zeitraum 2027–2030 jährliche strukturelle Einsparungen von rund einer Milliarde Euro. Dabei handelt es sich um eine Erwartung aus der Anlegergemeinschaft und nicht um eine bestätigte Unternehmensprognose.

Das Einsparpotenzial bildet damit einen wesentlichen Teil der positiven Bewertungsthese. Rückschläge beim Effizienzprogramm oder bei der Einführung künstlicher Intelligenz könnten diese Annahme gefährden. Entscheidend ist nicht nur die Höhe möglicher Kostensenkungen, sondern auch ihre tatsächliche Umsetzung.

Livret A könnte die Finanzierung verteuern

Gestern wurde über Überlegungen französischer Behörden berichtet, den Livret-A-Sparzins anzuheben. Ein höherer Satz könnte die Finanzierungskosten von BNP Paribas erhöhen. Zugleich besteht das Risiko, dass Einlagen aus anderen Produkten abgezogen werden.

Damit könnte die Profitabilität sowohl im französischen Privatkundengeschäft als auch im Konzern unter Druck geraten. Eine beschlossene Zinserhöhung wurde nicht gemeldet. Das Risiko bleibt folglich ein mögliches Belastungsszenario und darf nicht mit bereits eingetretenen Gewinneinbußen gleichgesetzt werden.

Für die Bewertung ist diese Unterscheidung wichtig: Die günstige Gewinnrelation und die erhofften Einsparungen stehen einer möglichen Verschlechterung der Finanzierung gegenüber. Der Abschlag lässt sich deshalb nicht losgelöst von der künftigen Ertragsentwicklung beurteilen.

Kapitalausschüttungen als weiterer Prüfstein

Als zusätzlicher Bestandteil der Anlagethese wird eine CET1-Quote von 13 % genannt. Ab 2027 ist eine Mindestausschüttung von 60 % erklärt. Darüber hinaus werden mögliche Ausschüttungen von Kapital oberhalb der genannten Kapitalschwelle angeführt.

Diese zusätzlichen Ausschüttungen sind eine Möglichkeit, keine Gewissheit. Die positive Sicht auf BNP Paribas verbindet somit eine niedrige Bewertung mit erwarteten Effizienzgewinnen und Kapitalrückflüssen. Ihre Belastbarkeit hängt daran, dass höhere Finanzierungskosten und operative Rückschläge diese Vorteile nicht aufzehren. Genau daran muss sich die vermeintlich günstige Bewertung messen lassen.