Der Pariser Berufungsgerichtshof hat entschieden: Bolloré und sein Chef Vincent Bolloré üben keinen beherrschenden Einfluss auf Vivendi aus. Das Urteil ist ein klarer Sieg für die Holding — und nimmt eine milliardenschwere Pflichtübernahme von den Tischen.

Die Aktie reagiert verhalten. Sie notiert bei 4,08 Euro und legt um 0,84 Prozent zu. Das ändert nichts am längerfristigen Abwärtstrend: Auf Monatssicht verliert das Papier 25,6 Prozent.

Gericht kippt Kontroll-Vorwurf

Der Streit geht auf die Vivendi-Aufspaltung Ende 2024 zurück. Der aktivistische Fonds CIAM, der 0,025 Prozent an Vivendi hält, warf Bolloré „schleichende Kontrollübernahme“ vor. Damals hielt die Familie 29,9 Prozent — knapp unter der Schwelle von 30 Prozent, ab der ein Pflichtangebot fällig wird.

Das Gericht folgte CIAM nicht. Die Richter verneinten eine faktische Kontrolle nach Artikel L.233-3 des französischen Handelsgesetzbuchs. Die Folge: Bolloré spart sich ein milliardenschweres Übernahmeangebot. Analysten schätzten die Kosten auf drei bis neun Milliarden Euro.

Das Urteil ist rechtskräftig. CIAM kündigte bereits eine erneute Berufung vor dem Kassationsgerichtshof an.

Die Vivendi-Zerschlagung als Auslöser

Der Rechtsstreit begann mit der Aufspaltung von Vivendi in vier Einheiten:
Canal+ (börsennotiert in London und Johannesburg)
Havas (Amsterdam)
Louis Hachette Group (Paris)
Rumpf-Vivendi (Paris)

CIAM hatte im April 2025 zunächst Erfolg. Ein Gericht erkannte damals einen Kontrolltatbestand. Der Kassationshof hob dieses Urteil im November 2025 auf. Nun bestätigte das Berufungsgericht die Revision.

Volatiler Kurs, offene Fronten

Die Aktie notiert deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 5,09 Euro. Das 52-Wochen-Hoch von 5,75 Euro liegt fast 30 Prozent über dem aktuellen Kurs. Der RSI von 28,1 signalisiert eine technische Überverkaufssituation.

Investoren blicken jetzt auf die nächste juristische Runde. CIAM will den Fall vor das höchste französische Gericht tragen. Parallel bleibt Canal+ im Fokus — der Pay-TV-Konzern wächst global und übernahm im Dezember 2025 den afrikanischen Anbieter MultiChoice.