Papua-Neuguineas Parlament hat die Messlatte für Bougainvilles Unabhängigkeit deutlich höher gelegt. Für Bougainville Copper bedeutet das: Der Weg zur Wiedereröffnung der Panguna-Mine wird noch steiniger.

75 Prozent statt 66 — ein entscheidender Unterschied

Das Nationalparlament hat die Sessional Order zur formalen Behandlung des Referendumsergebnisses von 2019 verabschiedet. Der Parlamentssprecher legte dabei überraschend fest, dass das Ratifizierungsvotum eine Dreiviertel-Mehrheit erfordert — nicht die übliche Zweidrittel-Mehrheit für Verfassungsänderungen.

Bougainvilles Vizepräsident Ezekiel Masatt reagierte scharf. Er warf der Nationalregierung vor, den Prozess gezielt zu untergraben. Seine Einschätzung: Port Moresby erschwere die Unabhängigkeitsbestrebungen systematisch.

Politikwissenschaftler Michael Kabuni von der Universität Papua-Neuguinea hatte bereits früher gewarnt, dass nur rund zehn Prozent der PNG-Parlamentarier ein Unabhängigkeitsvotum unterstützen würden. Die erhöhte Hürde macht eine Einigung im August 2026 noch unwahrscheinlicher.

Wirtschaftliche Abhängigkeit verstärkt den Druck

Das Referendum von 2019 ergab 97,7 Prozent Zustimmung für die Unabhängigkeit. Bindend ist dieses Ergebnis nicht — das Nationalparlament entscheidet.

Bougainville kann laut eigenen Angaben nur 5,3 Prozent seines Haushalts selbst finanzieren. PNG-Premier James Marape hat klargemacht: Mindestens die Hälfte des Budgets müsse Bougainville selbst decken, bevor politische Unabhängigkeit tragfähig wäre. Die Panguna-Mine gilt als das einzige realistische Fundament dafür.

Hinzu kommt eine veränderte Eigentümerstruktur: Die PNG-Nationalregierung übertrug ihren 36,45-Prozent-Anteil an Bougainville Copper im Juni 2025 auf die Autonome Bougainville-Regierung. Die ABG hält damit 72,9 Prozent — und ist zugleich lokale Bergbauaufsicht. Wirtschaftliches Interesse und Regulierungsmacht liegen in einer Hand.

Handelsaussetzung beendet, Volatilität bleibt hoch

Bougainville Copper hatte seinen geprüften Jahresabschluss nicht fristgerecht bis Ende März 2026 eingereicht. Die ASX setzte den Handel ab dem 1. April 2026 automatisch aus. Nach Einreichung des Jahresberichts hob die Börse die Aussetzung wieder auf.

Finanziell erzielt das Unternehmen keine Umsätze und zahlt keine Dividenden. Es ist schuldenfrei und erklärt, die laufenden Betriebskosten für 2026 aus eigenen Mitteln decken zu können.

Die Aktie schloss am Freitag mit einem Plus von 6,32 Prozent bei 0,37 Euro. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 87,99 Prozent — ein klares Abbild der politischen Unsicherheit. Die Abstimmung im August 2026 wird zeigen, ob die erhöhte Hürde tatsächlich unüberwindbar ist oder ob Premierminister Marapes Zieldatum noch zu halten ist.