Berenberg setzt bei BP auf eine stärkere Bilanz und mögliche Aktienrückkäufe. Analyst Henry Tarr hat heute Medienberichten zufolge das Kursziel von 650 auf 715 Pence angehoben und seine Kaufempfehlung bestätigt. Als Gründe nennt er die starke Handelsmitteilung zum dritten Quartal sowie ein günstiges Rohstoffpreisumfeld.

Damit rückt die mögliche Verwendung finanzieller Spielräume in den Mittelpunkt. Die positive Einschätzung beruht nicht allein auf einem besseren operativen Geschäft. Entscheidend ist auch die Aussicht, dass eine solidere Bilanz wieder mehr Kapitalrückflüsse an die Aktionäre ermöglichen könnte.

Rückkäufe als Perspektive, nicht als Zusage

Tarr hält es für möglich, dass die gestärkte Bilanz Aktienrückkäufe im Jahr 2027 erlaubt. Das ist eine Analystenerwartung und keine Ankündigung von BP. Für Anleger liegt darin ein wichtiger Unterschied: Die Aussicht auf zusätzliche Ausschüttungen stützt die Kaufempfehlung, eine verbindliche Rückkaufentscheidung steht dahinter nicht.

Die Grundlage dieser Einschätzung bildet unter anderem die Handelsmitteilung von vor gut einer Woche. Darin stellte BP eine deutlich niedrigere Nettoverschuldung und eine höhere Raffinerie-Indikatormarge in Aussicht. Auch das Ergebnis aus Gasvermarktung und -handel sollte das Vorquartal deutlich übertreffen.

Diese Kombination erklärt Berenbergs zuversichtlicheren Blick: Ein günstiges operatives Umfeld kann die Bilanzentlastung unterstützen. Ob daraus tatsächlich Rückkäufe entstehen, bleibt jedoch eine davon getrennte Entscheidung.

Zweites höheres Kursziel mit vorsichtigerem Urteil

Bereits gestern hob TD-Cowen-Analyst Jason Gabelman Medienberichten zufolge sein Kursziel für die an der NYSE notierten BP-Anteile von 47 $ auf 49 $ an. Seine Halteempfehlung behielt er bei.

Gabelman verwies auf die verbesserte Handelsleistung und die bessere Umsetzung der Raffineriemargen in Ergebnisse. Die Anpassung folgte auf BPs Quartalsausblick und ein Gespräch mit der Investor-Relations-Abteilung. Beide Analysten würdigen damit operative Fortschritte, ziehen daraus aber unterschiedliche Anlageurteile. Die Kursziele beziehen sich zudem auf unterschiedliche Börsennotierungen und lassen sich nicht unmittelbar nebeneinanderstellen.

Ergebnisvorlage muss Zuversicht untermauern

Zum positiven Bild gehören weiterhin Belastungen. In der Handelsmitteilung von vor gut einer Woche stellte BP nach Steuern Abschreibungen von 3,0 bis 4,5 Milliarden $ in Aussicht. Diese betreffen vor allem das Gasgeschäft und Aktivitäten der kohlenstoffarmen Energiewende.

Die stärkere Bilanz beseitigt diese Ergebnisrisiken also nicht. Berenbergs Kaufargument setzt vielmehr darauf, dass operative Stärke und finanzielle Entlastung trotz der angekündigten Wertberichtigungen tragen.

BP will die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 am 30. Oktober veröffentlichen. Dann lässt sich prüfen, wie sich die angekündigten operativen Verbesserungen und Abschreibungen im Quartalsabschluss niederschlagen. Für die Rückkaufperspektive zählt dabei besonders, ob die Bilanzentwicklung Berenbergs Zuversicht rechtfertigt.