BP hat sich am Freitag gegen den Markttrend gestemmt — und das eindrücklich. Während der britische FTSE 100 ins Minus drehte, kletterte die BP-Aktie an die Spitze des Index.

Kursgewinn trotz schwachem Marktumfeld

Mit einem Plus von knapp 2,8 Prozent auf 503,80 Pence war BP der stärkste Wert im gesamten Index. Das ist bemerkenswert, denn der übergeordnete Trend der Woche lief gegen den Energiesektor: Fallende Ölpreise nach dem Nahostfrieden — der Vertrag zwischen Washington und Teheran hatte die Straße von Hormus wieder geöffnet — hatten BP und Shell zuletzt erheblich unter Druck gesetzt. Auf Wochensicht gehörten beide Energieriesen noch zu den größten Bremsern des FTSE 100, der insgesamt rund 0,9 Prozent verlor.

Iran-Deal, Vance-Rückzug und Fed-Sorgen

Das Marktumfeld am Freitag war alles andere als eindeutig. US-Vizepräsident JD Vance sagte eine geplante Reise zu iranischen Unterhändlern in der Schweiz kurzfristig ab — die Umsetzungsgespräche zum 14-Punkte-Abkommen stockten damit zunächst. Das trieb den Ölpreis leicht nach oben: Brent stieg auf rund 80,69 Dollar je Barrel, was zumindest kurzfristig Rückenwind für BP bedeutete.

Indes bremste die US-Notenbank die europäische Stimmung spürbar. Neuer Fed-Chef Kevin Warsh signalisierte eine hawkishere Gangart und weniger Transparenz über künftige Zinsentscheidungen — der Markt bewertet eine Zinserhöhung im Oktober inzwischen mit rund 80 Prozent Wahrscheinlichkeit. Das setzte den breiten europäischen Markt unter Druck, ließ BP jedoch unbeeindruckt.

Der Tagesgewinn reicht nicht aus, um die Wochenverluste vollständig aufzuholen. Entscheidend für den weiteren Kursverlauf dürfte sein, ob die Nahostverhandlungen in der kommenden Woche wieder aufgenommen werden — und ob der Ölpreis dabei oberhalb der Marke von 80 Dollar je Barrel Bestand hat.