BP hat mit dem höchsten Quartalsgewinn seit 2008 die Analystenerwartungen übertroffen. Hohe Energiepreise und kräftige Raffineriemargen treiben das Ergebnis. Die am Freitag veröffentlichten Zahlen zeigen allerdings auch eine Einschränkung: Für das Schlussquartal erwartet der Ölkonzern weniger Produktion und Raffineriedurchsatz sowie höhere Steuerzahlungen. Die Ergebnisstärke lässt sich deshalb nicht unverändert fortschreiben.

Raffineriegeschäft treibt den Gewinn

Im dritten Quartal 2026 erzielte BP einen bereinigten Gewinn auf Wiederbeschaffungskostenbasis von 8,46 Milliarden US-Dollar. Der Analystenkonsens hatte bei 7,33 Milliarden US-Dollar gelegen.

BP führt den Anstieg auf höhere Öl- und Gaspreise sowie bessere Margen und operative Verbesserungen zurück. Damit beruht der Gewinnsprung nicht allein auf höheren Verkaufspreisen. Auch die Verarbeitung des Rohöls lieferte deutlich günstigere Ergebnisbedingungen.

Die Raffinerie-Indikatormarge erreichte 46,7 US-Dollar je Barrel. Im Vorquartal hatte sie 29,6 US-Dollar betragen und im Vorjahresquartal 15,8 US-Dollar. Dieser Anstieg verdeutlicht die Bedeutung des Raffineriegeschäfts für das starke Ergebnis.

Die hohen Margen haben zugleich eine geopolitische Komponente. CNBC berichtete heute über eine knappe globale Kraftstoffversorgung infolge von Angriffen auf russische Raffinerien und Störungen im Nahen Osten. Auch Raffinerieschließungen in Europa und Nordamerika tragen demnach zu den Engpässen bei.

Der Umsatz erreichte im dritten Quartal 2026 insgesamt 69,88 Milliarden US-Dollar und übertraf die Erwartung von 61,07 Milliarden US-Dollar. Die positive Überraschung beschränkt sich damit nicht auf den Gewinn.

Hoher Mittelzufluss trifft auf Wertminderungen

Der starke Geschäftsverlauf verschafft BP finanziellen Spielraum. Für Anleger zählt dabei neben dem Ergebnis vor allem der tatsächliche Mittelzufluss: Er ermöglicht den Abbau von Schulden und unterstützt den laufenden Portfolio-Umbau.

Der operative Cashflow betrug 14,8 Milliarden US-Dollar. Die Nettoverschuldung lag zum Quartalsende bei 13,9 Milliarden US-Dollar. Zugleich verbuchte BP Wertminderungen von rund 4 Milliarden US-Dollar, vor allem auf Energiewende- und Offshore-Wind-Anlagen.

Operative Stärke und Belastungen aus der Neubewertung von Anlagen stehen damit nebeneinander. Der bereinigte Gewinn allein beschreibt die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns nicht vollständig. Die Abschreibungen unterstreichen, dass der Umbau des Portfolios weiterhin Belastungen verursacht.

Schlussquartal mit gegenläufigen Faktoren

BP erwartet für das vierte Quartal 2026 weiterhin erhöhte Raffineriemargen. Gleichzeitig rechnet das Unternehmen mit niedrigerer Produktion und geringerem Raffineriedurchsatz. Hinzu kommen voraussichtlich rund 800 Millionen US-Dollar mehr zahlungswirksame Steuern als im vorangegangenen Quartal.

Damit enthält der Ausblick sowohl Unterstützung als auch Belastungen. Hohe Margen können das Ergebnis weiter stützen. Niedrigere Mengen und zusätzliche Steuerzahlungen begrenzen jedoch die Aussagekraft des jüngsten Quartals als Maßstab für den weiteren Mittelzufluss.

Auch die Dauer des günstigen Raffinerieumfelds ist unsicher. Nach Einschätzung von Wood Mackenzie könnten die Margen bei einer Einigung zur Beendigung des Hormus-Konflikts rasch sinken. Ein wesentlicher Gewinntreiber hängt somit an Bedingungen, die BP nicht selbst kontrolliert.

Für den 15. Dezember ist ein Strategieupdate angekündigt. Es wird zum nächsten Terminanker für die Einordnung des Portfolio-Umbaus. Bis dahin lautet die zentrale Anlegerbotschaft: BP verdient operativ deutlich mehr als erwartet, stellt für das Schlussquartal aber keinen ungebremsten Durchmarsch in Aussicht.