Ein Tropensturm im Golf von Mexiko trifft BP zu einem Zeitpunkt, an dem der Ölpreis ohnehin hohe Wellen schlägt. Tropensturm Isaias soll sich Meteorologen zufolge rasch zu einem Hurrikan verstärken und bis zum Wochenende die nördliche Golfküste der USA erreichen. Die BP-Aktie legte am Donnerstag zuletzt gut 3 Prozent zu.
Förderausfälle als Preistreiber
BP gehört zu den Konzernen mit der größten Exponierung gegenüber Produktionsstörungen durch den Sturm, ebenso wie Chevron und Shell. Mehrere Betreiber haben bereits nicht unbedingt benötigtes Personal von ihren Offshore-Anlagen abgezogen und die Förderung gedrosselt. Eine Modellrechnung beziffert den möglichen Ausfall über die Dauer des Sturms auf bis zu 11,2 Millionen Barrel Öl im Golf.
Für BP ist das zweischneidig. Weniger Fördermenge bedeutet zunächst weniger Absatz, doch die Ausfälle stützen zugleich den Preis. Wie groß die Schäden an den Plattformen ausfallen, zeigt sich erst nach dem Durchzug des Sturms.
Hinzu kommt, dass die Lagerbestände schrumpfen. Die kommerziellen US-Rohölvorräte sanken in der Woche zum 2. Oktober um rund 3,2 Millionen Barrel, obwohl Marktteilnehmer mit einem Anstieg gerechnet hatten.
Nahost und Brent-Prämie
Brent notiert inzwischen über 104 Dollar je Barrel, nach gut 101 Dollar in der Nacht. Auslöser sind neben dem Wetter die Spekulationen über einen möglichen US-Militärschlag gegen den Iran noch vor den Kongresswahlen. Marktbeobachter halten diesen Schritt nicht mehr für ausgeschlossen.
Die Risikoprämie zeigt sich im Abstand zwischen Brent und der US-Sorte WTI. Er liegt bei mehr als 12 Dollar, üblich sind 2 bis 4 Dollar. Ein Ausdruck dafür, dass die Angebotslage in Europa und Asien deutlich fragiler wirkt als in Nordamerika. Für Produzenten mit globalem Geschäft wie BP ist das ein vorteilhafteres Umfeld als für reine US-Förderer.
Bremsend wirkt die Internationale Energieagentur. Sie will die bereits angekündigte Freigabe strategischer Reserven von 400 Millionen Barrel beschleunigen, was rund 100 Millionen Barrel kurzfristig an den Markt bringen würde.
Auch die Schiffsdurchfahrten durch die Straße von Hormus erreichten zuletzt kurzzeitig wieder Vorkriegsniveau. Zugleich nehmen iranische Angriffe auf Schiffe und die Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und den Huthi zu, die zuletzt eine Raffinerie in Riad attackierten.
Kurzfristig hängt der BP-Kurs damit an zwei Punkten: dem Verlauf des Hurrikans bis zum Wochenende und der Frage, ob Brent die Marke von 110 Dollar ansteuert, die Marktbeobachter als nächstes Ziel sehen.
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