Der britische Energiekonzern BP richtet seine globalen Aktivitäten neu aus und setzt dabei auf eine Kombination aus technologischem Fortschritt und einer Straffung des Portfolios. Während das Unternehmen im Bereich der fossilen Brennstoffe durch einen bedeutenden Fund in Südamerika neues Potenzial erschließt, trennt es sich in Europa von etablierten Geschäftsbereichen im Einzelhandel und Schmierstoffsektor.
Rekordfund in Brasilien rückt in den Fokus
Im Zentrum der künftigen Förderstrategie steht der Bumerangue-Block im Santos-Becken vor der Küste Brasiliens. Nach Unternehmensangaben handelt es sich hierbei um die größte Entdeckung des Konzerns innerhalb der letzten 25 Jahre. Um das Potenzial dieses Feldes im sogenannten Pre-Salt-Bereich voll auszuschöpfen, hat BP bei der brasilianischen Umweltbehörde Ibama Lizenzen für umfangreiche 3D-Seismik-Untersuchungen beantragt.
Diese geophysikalischen Vermessungen sollen eine Fläche von rund 500 Quadratkilometern abdecken und voraussichtlich im Mai 2028 beginnen. Die Arbeiten in Wassertiefen von mehr als 2.250 Metern sind auf eine Dauer von etwa 200 Tagen ausgelegt. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026 plant der Konzern zudem eine Explorationsbohrung im nahegelegenen Tupinambá-Block, um die Präsenz in der ressourcenreichen Region weiter zu festigen.
Rückzug aus österreichischem Tankstellengeschäft und Castrol-Verkauf
Parallel zur Expansion in Südamerika treibt BP die Optimierung seines Portfolios durch Desinvestitionen voran. In Österreich veräußert der Konzern sein gesamtes Tankstellennetz sowie das Geschäft mit Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge (EV) an das Unternehmen Volenergy. Die Transaktion umfasst insgesamt 250 Stationen, von denen sich 115 im direkten Besitz von BP befinden. Der Abschluss dieses Verkaufs wird bis zum Ende des Jahres 2026 angestrebt.
Zusätzlich trennt sich BP von der Schmierstoffmarke Castrol, die an die Investmentfirma Stonepeak verkauft wird. Die namibische Wettbewerbsbehörde hat diesem Vorhaben bereits zugestimmt. Castrol, das Schmierstoffe in rund 150 Ländern vertreibt, war lange Zeit ein fester Bestandteil des Konzerns. Der Verkauf unterstreicht die Strategie, Kapital für neue Projekte freizusetzen und die Konzernstruktur zu vereinfachen.
Effizienzsteigerung durch KI und positive Analystenstimmen
Um die Rentabilität der bestehenden Förderung zu erhöhen, setzt das Unternehmen verstärkt auf digitale Technologien. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Robotik und digitalen Zwillingen konnte BP die Öl- und Gasproduktion in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr steigern. Dies entspricht einer zusätzlichen Menge von rund 20.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Werkzeuge wie das „Optimization Genie“ oder digitale Gesteinsanalysen helfen zudem dabei, Ausfallzeiten zu reduzieren und die Effizienz auf Plattformen, etwa im Kaspischen Meer, zu optimieren.
An der Börse wird dieser Kurs aufmerksam verfolgt. Die Analysten von Mizuho haben die Beobachtung der Aktie mit einer „Outperform“-Bewertung und einem Kursziel von 51 USD aufgenommen. Sie verweisen dabei insbesondere auf die zwölf jüngsten Entdeckungen des Konzerns. Anleger konnten sich im laufenden Jahr bereits über eine positive Entwicklung freuen: Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier ein Plus von 24,72 %. Der Schlusskurs am Montag lag bei 6,13 €, womit der Wert derzeit rund 8,63 % über seinem 200-Tage-Durchschnitt notiert. Unterstützt wird die Stimmung im Sektor zudem durch die allgemeine Lage an den Energiemärkten, wo geopolitische Spannungen im Nahen Osten zuletzt für Auftrieb bei den Rohölpreisen sorgten.
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