In Brasilien entscheidet eine Stichwahl über die politische Führung der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas. Der linke Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und sein rechter Herausforderer Flávio Bolsonaro liefern sich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Ausgang gilt laut Umfragen als offen, auch wenn der Senator mit einem leichten Vorsprung in den Wahltag geht.
Staatliche Investitionen gegen konservativen Kurswechsel
Die Programme beider Kandidaten könnten kaum gegensätzlicher sein. Lula setzt auf Sozialprogramme und staatliche Investitionen. Damit will er Beschäftigung sichern und Armut bekämpfen. Seine Anhänger verbinden mit ihm sozialen Aufstieg. Kritiker verweisen dagegen auf wirtschaftliche Probleme und die Staatsverschuldung.
Flávio Bolsonaro verspricht einen harten Bruch mit der bisherigen Politik. Der 45-jährige Senator verlangt schärfere Gesetze gegen Kriminalität und eine Absenkung der Strafmündigkeit. Zeitgleich fordert er eine Amnestie für seinen Vater Jair Bolsonaro, der nach einer Verurteilung wegen eines Umsturzversuchs im Hausarrest sitzt.
Das Parlament stärkt dem Herausforderer den Rücken
Im ersten Wahlgang sicherte sich Bolsonaro rund 47 Prozent der Stimmen. Lula kam auf 45 Prozent. Der Abstand lag bei mehr als zwei Millionen Stimmen.
Dazu kommt parlamentarischer Rückenwind für die Rechte. Bei den Kongresswahlen bauten konservative Parteien ihre Positionen deutlich aus. Mehrere ausgeschiedene Kandidaten stellten sich anschließend hinter Bolsonaro. Beobachter sehen ihn deshalb im Vorteil, wenngleich Umfragen ein knappes Resultat erwarten lassen.
Rund 159 Millionen Wahlberechtigte sind an diesem Sonntag an die Urnen gerufen. Erste vorläufige Ergebnisse werden in der Nacht zum Montag erwartet.


