Waffenruhe-Hoffnung im Nahen Osten, starke ASML-Zahlen und ein aufgewühlter Automarkt — der DAX liefert am Freitag ein geteiltes Bild. Während Chemie- und Chipwerte kräftig zulegen, rutschen die beiden Münchner und Stuttgarter Autobauer ab. Die Trennlinie verläuft entlang einer simplen Frage: Wer profitiert von fallenden Energiepreisen — und wen treffen die Spätfolgen des Iran-Konflikts noch immer?
| Gewinner | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Brenntag | 60,18 EUR | +4,2 % |
| Infineon | 45,91 EUR | +3,2 % |
| Zalando | 23,25 EUR | +3,0 % |
| Verlierer | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Mercedes-Benz | 53,57 EUR | −2,2 % |
| Siemens Energy | 166,84 EUR | −2,0 % |
| BMW | 80,82 EUR | −1,8 % |
Brenntag: Gleich zwei Kurszielanhebungen an einem Tag
Brenntag ist der klare Tagesgewinner. Mit einem Plus von 4,2 Prozent auf 60,18 Euro erreicht die Aktie den höchsten Stand seit Februar. Der Chemiedistributor fungiert als Bindeglied zwischen Produzenten und Industrie — und genau diese Lieferketten profitieren massiv von der Entspannung an der Straße von Hormus.
Barclays hat das Kursziel von 42 auf 57 Euro angehoben, die Einstufung aber bei „Equal Weight“ belassen. Analyst Anil Shenoy begründet den Schritt mit positiven Impulsen durch die geopolitischen Verwerfungen und liegt mit seinen Ergebnisprognosen über dem Konsens. Parallel zog die DZ Bank den fairen Wert von 41 auf 51 Euro nach oben — hält aber an der Einstufung „Verkaufen“ fest. Analyst Peter Spengler sieht den langfristigen Ausblick für die Chemiedistribution weiterhin trüb.
Ein dritter Kurstreiber: Die Hauptversammlung am 20. Mai rückt näher. Wer die Dividende von 2,10 Euro je Aktie kassieren will, muss die Aktie bis dahin im Depot haben. Dieser saisonale Kaufdruck verstärkt die ohnehin positive Dynamik.
Infineon: ASML liefert den Katalysator für den gesamten Chipsektor
ASML hat im ersten Quartal die Erwartungen deutlich übertroffen und die Jahresprognose auf 36 bis 40 Milliarden Euro Umsatz angehoben. Die Nachricht wirkt wie ein Stimmungsaufheller für den gesamten Halbleitersektor. Infineon legt 3,2 Prozent auf 45,91 Euro zu.
Für die Münchner ist das Signal direkt relevant. Ein wachsender Markt für Chipfertigungskapazitäten bedeutet steigende Nachfrage nach Leistungshalbleitern — dem Kerngeschäft von Infineon. Zusätzlich stärkt der geplante Kauf der nicht-optischen Sensorsparte von ams OSRAM für 570 Millionen Euro das Portfolio.
Anfang des Jahres markierte die Aktie bei 48,23 Euro den höchsten Stand seit rund 25 Jahren, bevor ein deutlicher Rücksetzer folgte. Der heutige Anstieg zeigt: Der Weg zurück zu alten Hochs ist wieder offen, solange der KI-getriebene Chipzyklus intakt bleibt.
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Zalando: Rückkaufprogramm als Kursstütze
Das laufende Aktienrückkaufprogramm über bis zu 300 Millionen Euro entfaltet seine Wirkung. Bis zu 20 Millionen Aktien sollen zwischen März und Mitte Juli erworben und eingezogen werden. Dieser mechanische Kaufdruck stabilisiert den Kurs besonders in schwächeren Marktphasen. Heute steht ein Plus von 3,0 Prozent auf 23,25 Euro.
Die Fundamentaldaten untermauern das Vertrauen: 2025 stieg der Umsatz um knapp 17 Prozent auf 12,35 Milliarden Euro. Von 22 Analysten empfehlen 19 die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 35,74 Euro — deutlich über dem aktuellen Niveau.
Operativ gibt es Gegenwind. Die geplante Schließung des Logistikzentrums in Erfurt mit rund 2.700 Beschäftigten im September sorgt für Unruhe beim Betriebsrat. Aus Investorensicht ist der Schritt ein Effizienzgewinn, der die Kostenstruktur verbessern soll. Das heutige Plus spiegelt primär die Kombination aus Rückkaufunterstützung und freundlicherer Marktstimmung wider.
Mercedes-Benz: Dividendenkürzung und China-Schwäche drücken
Mercedes-Benz verliert 2,2 Prozent auf 53,57 Euro. Der Auslöser ist konkret: Gestern fand die Hauptversammlung statt, auf der eine Dividende von 3,50 Euro je Aktie beschlossen wurde — deutlich weniger als die 4,30 Euro im Vorjahr. Die Aktie handelt heute ex Dividende.
Neben dem technischen Effekt lasten strukturelle Probleme auf dem Papier. Das Transporter-Geschäft liefert zwar leichte Impulse, der Einbruch in China drückt aber weiterhin auf die Gesamtabsätze. Oddo BHF bekräftigte die „Underperform“-Einschätzung und senkte das Kursziel auf 42 Euro. Die Analysten bezweifeln offen, ob die großzügige Ausschüttungspolitik bei nachlassenden Fundamentaldaten dauerhaft tragfähig ist.
Etwas Hoffnung macht die Modellpalette: Der elektrische CLA wurde zum „Car of the Year 2026″ gewählt, die Auftragsbücher füllen sich. Auch der elektrische GLC verzeichnet bereits Bestellungen weit in die zweite Jahreshälfte hinein. Mercedes-Benz steckt in einem Übergangsjahr — viele aktuelle Modelle laufen aus, neue kommen erst schrittweise auf den Markt.
Siemens Energy: Atempause nach dem Allzeithoch
Siemens Energy gibt 2,0 Prozent auf 166,84 Euro nach. Am Mittwoch hatte die Aktie bei 171,94 Euro ein neues Allzeithoch markiert. Nach solchen Ausbrüchen sind Gewinnmitnahmen die Regel — nicht die Ausnahme.
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Fundamental steht der Konzern hervorragend da:
- Nettogewinn im Q1 des Geschäftsjahres 2026 fast verdreifacht auf 746 Millionen Euro
- Auftragsbestand auf Rekordniveau von 146 Milliarden Euro
- Strategische Partnerschaft mit AWS seit April für gemeinsame Lösungen bei Energieinfrastruktur rund um Rechenzentren
Der Boom bei KI-Rechenzentren treibt die Nachfrage nach zuverlässiger Stromversorgung. Große Technologieunternehmen investieren Milliarden in neue Anlagen — Siemens Energy liefert die Turbinen und Übertragungssysteme. Das heutige Minus ist kein fundamentales Warnsignal, sondern eine gesunde Konsolidierung nach einer außergewöhnlichen Rally.
BMW: Produktzyklus-Problem im Elektrosegment
BMW verliert 1,8 Prozent auf 80,82 Euro. Der Münchner Autobauer steckt in einer schwierigen Übergangsphase. Weltweit wurden im ersten Quartal nur 87.458 Elektrofahrzeuge ausgeliefert — ein Rückgang von gut 20 Prozent. Die alte E-Flotte verkauft sich schlecht, die neue ist kaum lieferbar.
Insgesamt lieferte die BMW Group 565.748 Fahrzeuge aus, 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Regional zeigt sich ein extrem unterschiedliches Bild: Deutschland wuchs um knapp elf Prozent, während die USA und China deutlich schwächelten. Der Konzernumsatz sank 2025 um gut sechs Prozent auf 133,5 Milliarden Euro.
Für 2026 erwartet das Management im Autogeschäft eine EBIT-Marge von lediglich vier bis sechs Prozent. Zölle allein sollen die Marge um 1,25 Prozentpunkte belasten. Jefferies hält die Aktie auf „Hold“ mit einem Kursziel von 90 Euro.
Der Hoffnungsträger heißt „Neue Klasse“: Ab August soll die Produktion des neuen i3 im Werk München starten. Ob die bereits über 50.000 iX3-Bestellungen in bessere Margen umgewandelt werden können, wird das zweite Halbjahr zeigen.
Waffenruhe als Stimmungsbarometer — Erholung bleibt fragil
Der Handelstag offenbart ein klares Muster: Sinkende Energiepreise und stabilere Lieferketten begünstigen Chemie, Technologie und E-Commerce. Hohe Rohstoffkosten und die China-Schwäche belasten den Automobilsektor.
Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners bringt die Stimmung auf den Punkt: Der US-Aktienmarkt habe den Iran-Krieg „hinter sich gelassen, bevor er wirklich vorbei ist“. Die Commerzbank warnt allerdings, dass die Märkte eine Einigung bereits einpreisen, obwohl die Differenzen zwischen beiden Seiten noch erheblich seien.
Für DAX-Anleger bedeutet das: Die Erholung ist real, aber jede Eskalationsmeldung aus dem Nahen Osten kann die Stabilisierung rasch beenden. Die nächsten Quartalszahlen von BMW am 6. Mai und Siemens Energy am 12. Mai werden zeigen, ob die fundamentalen Trends die geopolitische Erholung nachhaltig unterstützen können.
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