Die Notierungen für die Nordseesorte Brent sind am heutigen Mittwoch sprunghaft angestiegen. Auslöser für den deutlichen Kursschub ist eine massive Verschärfung der geopolitischen Lage im Nahen Osten. Zugleich stützen neue Daten zu den US-Lagerbeständen die Preise an den Rohstoffmärkten.

Der Rohölpreis steht aktuell bei 89,73 USD, was einem kräftigen Zuwachs von 7,13 % entspricht. Damit notiert der Kurs nun über dem gleitenden Durchschnitt der vergangenen 50 Tage, der bei 85,99 USD liegt. Marktteilnehmer reagieren mit den Zukäufen auf eine Reihe militärischer Auseinandersetzungen in einer der weltweit wichtigsten Förderregionen.

Raketenangriffe und Gefahren in der Straße von Hormus

Am gestrigen Dienstagabend feuerte der Iran ballistische Raketen auf US-Truppen in Jordanien ab. Nach Angaben des US-Zentralkommandos CENTCOM konnten sämtliche Geschosse abgefangen werden. Als direkte Reaktion darauf führten die US-Streitkräfte gemeinsam mit Saudi-Arabien am heutigen Mittwoch Luftschläge gegen logistische Einrichtungen pro-iranischer Milizen im Osten des Irak durch.

Zusätzlich verschärft sich die Lage auf den Schifffahrtswegen. Die iranischen Revolutionsgarden meldeten Angriffe auf drei Öltanker in der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus. Die Analysten von RBC Capital Markets erwarten vor diesem Hintergrund vorerst keine Entspannung für die internationale Schifffahrt in der Region. Berichten zufolge werden bereits alternative Handelsrouten und Sicherheitskonzepte diskutiert, um die globale Versorgung zu sichern.

Sinkende US-Bestände verknappen das Angebot

Neben der politischen Instabilität wirken sich aktuelle Branchendaten preistreibend aus. Das American Petroleum Institute (API) meldete einen Rückgang der US-Rohöllagerbestände um etwa 3,3 Millionen Barrel für die vergangene Woche. Dieser Abbau fiel deutlich stärker aus als von vielen Marktbeobachtern im Vorfeld erwartet worden war.

Die Analysten von CareEdge Ratings sehen in der Kombination aus den Blockaden an den Engpässen von Hormus und dem Roten Meer erhebliche Risiken für die globale Energiesicherheit. In einem Extremszenario halten die Experten einen Preisanstieg bei Brent auf bis zu 135 USD für möglich. Dies könnte die Inflation erneut anheizen und insbesondere Schwellenländer unter Druck setzen.

Fokus auf Notenbanken und OPEC+

Anleger blicken heute zudem gespannt auf die anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve. Während ein Großteil der Marktteilnehmer von einer Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus ausgeht, schüren die steigenden Energiekosten neue Inflationssorgen. Höhere Ölpreise könnten den Spielraum der Notenbanker für künftige Lockerungen einschränken.

Parallel dazu gibt es Anzeichen, dass das Ölkartell OPEC+ geplante Produktionssteigerungen vorerst aussetzen könnte, um die Preisstabilität zu gewährleisten. Die Kombination aus geopolitischer Prämie, sinkenden Vorräten und einer abwartenden Förderpolitik prägt derzeit das Handelsumfeld. Seit Jahresbeginn hat sich Brent bereits um 47,41 % verteuert.