Ein Treffen zwischen US-Beamten und iranischen Gesandten sorgt für neue Zuversicht am Ölmarkt. Gleichzeitig verlieren Gold und Silber weiter an Boden, nachdem beide Metalle im Januar historische Rekordstände markiert hatten. Der Rohstoffsektor zeigt damit an diesem Donnerstag ein Bild, das kaum gegensätzlicher sein könnte.

Sektor-Überblick: Diplomatie bewegt den Ölmarkt, Zinssorgen drücken Edelmetalle

Saudi-Arabien bereitet sich darauf vor, in den kommenden Tagen Exporte über seine Ost-West-Pipeline wieder aufzunehmen. Das würde dem Königreich erlauben, die umstrittene Straße von Hormus zu umgehen und die Ausfuhren zu steigern. Parallel dazu sprach US-Präsident Donald Trump von einem „sehr produktiven“ Treffen amerikanischer Beamter mit iranischen Vertretern, weitere Gespräche seien geplant.

Diese Entspannungssignale wirken wie ein Gegengewicht zu den wochenlangen Kriegsprämien, die den Ölpreis zuvor nach oben getrieben hatten. Bei den Edelmetallen dominiert dagegen eine Korrekturstimmung. Sinkende Absicherungsnachfrage, ein widerstandsfähiger US-Dollar und die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik belasten Gold und Silber gleichermaßen.

Gold: Korrektur unterhalb der 4.300-Dollar-Marke

Der Goldpreis notiert aktuell bei 4.257,89 US-Dollar je Feinunze, ein Rückgang von 0,6 Prozent im Tagesverlauf. Gestern hatte das Edelmetall noch bei 4.284,38 US-Dollar geschlossen. Auf Wochensicht summiert sich das Minus bereits auf 2,0 Prozent.

Innerhalb der vergangenen 30 Tage hat Gold sogar 8,6 Prozent eingebüßt. Seit Jahresbeginn steht dagegen nur ein moderates Minus von 1,4 Prozent zu Buche. Auf Sicht von zwölf Monaten bleibt sogar ein Plus von 14 Prozent übrig – die Korrektur relativiert sich also im längerfristigen Vergleich.

Charttechnisch zeigt sich das Bild angeschlagen. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 42,5 und signalisiert weder Überverkauft- noch Überkauft-Zustand. Der Goldpreis notiert derzeit rund 5,0 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 4.480,23 US-Dollar, was auf einen intakten mittelfristigen Abwärtsdruck hindeutet.

Vom Rekordhoch bei 5.598,58 US-Dollar, aufgestellt Ende Januar 2026, trennen das Edelmetall inzwischen 24 Prozent. Zum Jahrestief von September 2025 bei 3.714,47 US-Dollar besteht dagegen noch ein Polster von 15 Prozent. Mittelfristig gilt der seit 2022 laufende Aufwärtstrend charttechnisch weiterhin als intakt, auch wenn die kurzfristige Richtung derzeit klar nach unten zeigt.

Silber: Schwächer als Gold, strukturelles Defizit bleibt bestehen

Silber zeigte sich zuletzt noch verwundbarer als Gold. Am Mittwoch schloss das Metall bei 64,93 US-Dollar je Feinunze, ein Tagesverlust von 4,0 Prozent. Auf Wochensicht beläuft sich das Minus auf 1,2 Prozent, über den vergangenen Monat sind es 5,4 Prozent.

Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 8,0 Prozent zu Buche. Auf Zwölfmonatssicht bleibt trotz der jüngsten Schwäche ein deutliches Plus von 48 Prozent bestehen – ein Beleg dafür, wie stark der Anstieg im vergangenen Jahr ausgefallen war.

Das Gold-Silber-Verhältnis liegt derzeit bei rund 66 und damit weiterhin auf erhöhtem Niveau. Viele Marktteilnehmer werten ein solches Verhältnis traditionell als Hinweis auf eine relative Unterbewertung von Silber gegenüber Gold. Die Volatilität des Metalls fällt mit 34 Prozent auf 30-Tage-Sicht spürbar höher aus als bei Gold, was die typische Doppelrolle als Industriemetall und Krisenwährung widerspiegelt.

Fundamental bleibt die Angebotslage angespannt. Der globale Silbermarkt dürfte 2026 bereits das sechste Jahr in Folge ein Defizit verzeichnen, wobei sich der Fehlbetrag laut Silver Institute um 15 Prozent auf 46,3 Millionen Feinunzen ausweiten soll. Trotz dieser strukturellen Knappheit hat die Absicherungsnachfrage aktuell keinen stützenden Effekt – der 200-Tage-Durchschnitt von 71,97 US-Dollar liegt fast 10 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Brent Crude: Diplomatische Entspannung treibt Erholung

Brent Crude ist der klare Gewinner im Rohstoffsektor der vergangenen Handelstage. Der Preis kletterte auf 101,05 US-Dollar je Barrel, ein Plus von 2,7 Prozent im Tagesverlauf. Gestern hatte der Kontrakt noch bei 98,36 US-Dollar geschlossen.

Der Anstieg erfolgte nach einer mehrtägigen Verlustserie, in der Marktteilnehmer die Bemühungen zur Wiederherstellung der durch den Nahost-Konflikt gestörten Ölflüsse bewertet hatten. Auf Wochensicht steht zwar noch ein Minus von 2,9 Prozent zu Buche. Über den vergangenen Monat hat sich der Preis dagegen um 18 Prozent verteuert, seit Jahresbeginn sogar um 66 Prozent.

Ein iranischer Regierungsvertreter signalisierte, dass Teherans Vorschlag an die USA übermittelt worden sei. Der Iran wäre demnach bereit, die Straße von Hormus innerhalb von sieben Tagen wieder zu öffnen, sollte Washington Schritte zur Aufhebung der Exportblockade unternehmen. Auf der Angebotsseite meldete das API zudem einen Anstieg der US-Rohölvorräte um 1,8 Millionen Barrel, während Benzin- und Destillatbestände zurückgingen.

Der Kontrakt notiert derzeit 15 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 88,01 US-Dollar, ein deutliches Zeichen für die zuletzt aufgebaute Risikoprämie. Die US-Energiebehörde EIA geht in ihrem September-Ausblick dennoch von einem allmählichen Rückgang aus: Im zweiten Halbjahr 2026 soll Brent im Schnitt bei rund 90 US-Dollar je Barrel liegen, bevor der Preis 2027 mit steigender Produktion auf etwa 74 US-Dollar sinkt.

Vergleichende Sektordynamik: Drei Rohstoffe, drei Reaktionen

Die aktuelle Nachrichtenlage trifft auf drei völlig unterschiedliche Reaktionsmuster:

  • Brent Crude profitiert von Entspannungssignalen an der Hormus-Front, obwohl steigende US-Lagerbestände eigentlich preisdämpfend wirken sollten
  • Gold korrigiert von seinem Januar-Rekord, bleibt aber auf Jahressicht klar im Plus
  • Silber zeigt die stärksten prozentualen Ausschläge und bleibt trotz strukturellem Angebotsdefizit unter Druck
  • Das erhöhte Gold-Silber-Verhältnis von rund 66 deutet auf eine Präferenz für Gold als Absicherung hin

Gold und Silber bewegen sich damit in die entgegengesetzte Richtung des Ölpreises. Wer Silber beobachtet, sollte sowohl geopolitische als auch konjunkturelle Faktoren im Blick behalten, da das Metall in Krisenphasen zwar mit Gold mitlaufen kann, allerdings nicht immer im gleichen Tempo.

Rohstoffmärkte zwischen Diplomatie und Zinspoker

Die kommenden Handelstage dürften maßgeblich davon abhängen, ob sich die diplomatischen Signale zwischen Washington und Teheran weiter verdichten. Setzt sich die Entspannung an der Straße von Hormus fort, dürfte Brent Crude die zuletzt aufgebaute Kriegsprämie schrittweise abbauen – die EIA-Prognosen mit deutlich niedrigeren Preisniveaus für 2027 liefern dafür bereits einen groben Fahrplan.

Für Gold und Silber bleibt die Korrekturphase nach den Rekordständen vom Januar das bestimmende Thema. Die langfristige Aufwärtsstruktur gilt charttechnisch zwar weiterhin als intakt, kurzfristig entscheiden aber US-Zinserwartungen und die Dollar-Entwicklung über die nächste Richtung. Die strukturelle Angebotslücke am Silbermarkt sowie weitere Nachrichten aus den Nahost-Verhandlungen dürften in den kommenden Tagen die entscheidenden Impulsgeber für den gesamten Sektor bleiben.