Die Ölpreise klettern wieder auf knapp 100 Dollar je Barrel, weil neue Drohungen aus Washington die Hoffnung auf eine rasche Entspannung im Nahen Osten dämpfen. Am Freitag kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar 99,79 Dollar. Das entspricht einem Tagesplus von eineinhalb Prozent.
Die Erholung folgt auf turbulente Tage. Zuvor hatten die deutlichen Stimmengewinne der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen die Notierungen zeitweise stark unter Druck gesetzt. Auf Wochensicht liegt der Brent-Preis deshalb immer noch rund 15 Prozent im Minus.
Drohungen aus dem Weißen Haus
Verantwortlich für den erneuten Anstieg sind Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. Er kündigte an, bald über eine mögliche Wiederaufnahme der Angriffe gegen den Iran zu entscheiden. Das im Februar gemeinsam mit Israel formulierte Ziel lautet, Teheran am Bau einer Atombombe zu hindern. Man wolle den Rest des Landes lieber nicht zerstören, sagte der Präsident Reportern, doch vielleicht müsse er es tun.
Die Regierung in Teheran hatte sich nach der Wahlniederlage der Republikaner kämpferisch gezeigt. Dennoch hoffen die Marktteilnehmer weiterhin auf einen Ausweg aus dem Konflikt. Die Hürden für eine Einigung bleiben allerdings beträchtlich.
Harte Bedingungen für den Seeverkehr
Der Iran verknüpft ein Einlenken mit klaren Forderungen. Bevor die strategisch wichtige Straße von Hormus wieder vollständig für den Schiffsverkehr geöffnet wird, verlangt Teheran das Ende der amerikanischen Seeblockade. Hinzu kommen Forderungen nach gelockerten Sanktionen und dem Zugriff auf eingefrorene Vermögenswerte.
Parallel dazu zeichnen sich kleine Fortschritte ab. Vermittler aus Katar bemühen sich um eine diplomatische Lösung, während Teheran neue Vorschläge zu seinem Atomprogramm prüft.
Analyst Pavel Molchanov von Raymond James betont, dass vor allem ein Kurswechsel im Weißen Haus den Weg für tiefere Notierungen ebnen könnte. Eine dauerhafte Einigung mit freier Durchfahrt an der Straße von Hormus würde den Preisdruck zwar spürbar senken. Solange die Blockade jedoch fortbesteht, bleibt die Versorgungslage angespannt.


