Nach deutlichen Verlusten am Vortag zieht der Ölpreis wieder an: Rohöl der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Dezember verteuerte sich am Mittwoch um 0,74 Prozent auf 101,32 Dollar je Barrel. Dahinter steht die anhaltende Furcht vor Störungen im Nahen Osten, wo wiederholte Zwischenfälle auf einen physischen Markt mit geringen Lagerbeständen treffen.
Angriffe auf Handelsrouten belasten Meerenge
Zwar haben die Tankertransporte durch die Straße von Hormus in den vergangenen Wochen zugenommen. Die Sicherheitslage entlang der Route bleibt jedoch prekär. Die britische Schifffahrtsbehörde UK Maritime Trade Operations registrierte im laufenden Monat bereits mindestens neun Angriffe in der Meerenge. Das erreicht bereits die Hälfte aller Vorfälle, die im gesamten September in der Straße von Hormus und im Persischen Golf gemeldet worden waren.
Am Markt setzt sich zwar die Erwartung durch, dass Rohöl weiterhin seinen Weg durch die Wasserstraße findet. Experten warnen allerdings vor trügerischer Sicherheit. Haris Khurshid vom Investmenthaus Karobaar Capital verweist darauf, dass niedrige Vorräte und eine knappe Versorgung mit Diesel dem physischen Markt deutlich weniger Puffer lassen, als die reinen Exportzahlen vermuten lassen.
Militärische Zwischenfälle halten Risikoprämie hoch
Militärische Zwischenfälle erinnern Marktteilnehmer an diese Verwundbarkeit. Saudi-Arabien wehrte nach Angaben des von Riad geführten Militärbündnisses einen Raketenangriff der jemenitischen Huthi-Miliz ab. Eine ballistische Rakete wurde nördlich der saudischen Hauptstadt abgefangen und zerstört.
Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hatte die Rohöllieferungen aus der Region im Jahresverlauf bereits spürbar beeinträchtigt und den weltweiten Inflationsdruck verstärkt. Angesichts der knappen Lagerbestände dürften Zwischenfälle entlang der Versorgungsrouten den Preis für das Barrel vorerst weiter stützen.


