Der Ölpreis hat am Donnerstag eine abrupte Kehrtwende vollzogen und wieder die Marke von 100 Dollar überschritten. Grund für den Umschwung ist die anhaltende Furcht vor einer Eskalation im Iran-Krieg, die Hoffnungen auf eine spürbare Entspannung bei den Fördermengen verdrängt. Zwar erholen sich die Tankerströme aus der Golfregion schrittweise, die festgefahrenen Friedensgespräche zwischen Washington und Teheran halten die Risikoprämie jedoch hoch.
Am Morgen war der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember noch bis auf 96,55 Dollar gefallen. Zuletzt notierte der Kontrakt hingegen bei 100,54 Dollar. Mit dem Monatswechsel rückte an den Terminmärkten der Dezember-Future in den Fokus, nachdem der ausgelaufene November-Kontrakt am Vorabend noch spürbar teurer gehandelt worden war.
Exporte erreichen Vorjahresniveau
Dass der Markt am Morgen zunächst nachgab, lag an Hinweisen auf zunehmende Tankerbewegungen. Schätzungen von Goldman Sachs zufolge verließen in der vergangenen Woche täglich rund 23 Millionen Barrel Rohöl den Nahen Osten. Dieses Exportvolumen, das sowohl Routen durch die Straße von Hormus als auch über das Rote Meer umfasst, entspricht in etwa dem Vorjahresdurchschnitt.
Händler an der Wall Street verweisen darauf, dass sich das Rohölangebot aus der Region allmählich wieder den Werten vor Ausbruch der Kampfhandlungen annähert. Das Angebot an raffinierten Kraftstoffen hinkt dieser Erholung allerdings hinterher. Die tatsächliche Ermittlung der Frachtmengen bleibt zudem schwierig, da Schiffe in der Region immer wieder attackiert wurden.
Blockierte Schifffahrtswege treiben Risikoprämie
Der militärische Konflikt, der im Februar mit Angriffen der USA und Israels auf Ziele im Iran begann, bestimmt das Marktgeschehen weiterhin maßgeblich. Diplomaten erzielten im September keine Durchbrüche, um ein dauerhaftes Friedensabkommen und eine vollständige Wiederöffnung der Seewege zu erreichen.
Neue Impulse durch rückläufige Bestände blieben derweil aus. Die am Mittwoch veröffentlichten US-Lagerdaten brachten keine Entspannung für die Versorgungslage. Solange die Blockade zentraler Schifffahrtsrouten und die Gefahr weiterer militärischer Schläge ungelöst bleiben, überwiegt an den Rohstoffmärkten die Sorge vor plötzlichen Lieferausfällen.


