Der britische Arbeitsmarkt zeigt sich robuster als erwartet. In den drei Monaten bis August sank die Arbeitslosenquote unerwartet auf 4,7 Prozent, nachdem sie in der vorangegangenen Periode noch bei 4,9 Prozent gelegen hatte. Volkswirte hatten mit einem Verharren auf dem höheren Niveau gerechnet. Die Entwicklung stärkt die Erwartung, dass die Bank of England ihre Leitzinsen im November anheben könnte.
Die Zahl der Beschäftigten auf den Gehaltslisten legte im September im Vergleich zum Vormonat um 13.000 auf 30,3 Millionen zu. Gleichzeitig verliert das Lohnwachstum leicht an Tempo: Die durchschnittlichen Verdienste einschließlich Bonuszahlungen stiegen im Dreimonatszeitraum bis August um 3,7 Prozent im Jahresvergleich. Ohne Boni lag das Lohnplus ebenfalls bei 3,7 Prozent.
Unternehmen drosseln Neueinstellungen
Hinter den stabilen Beschäftigungszahlen zeichnet sich eine verhaltenere Personalpolitik der Unternehmen ab. Die Zahl der offenen Stellen ging im Zeitraum von Juli bis September gegenüber dem Vorquartal um 21.000 auf 691.000 zurück. Dies markiert den deutlichsten vierteljährlichen Rückgang seit dem Frühjahr 2026. Höhere Arbeitskosten veranlassen viele Betriebe dazu, ihr Recruiting spürbar zurückzufahren.
Marktbeobachter werten die Daten als Zeichen dafür, dass sich der Arbeitsmarkt allmählich einpendelt. Zweitrundeneffekte des Energieschocks seien im Lohnwachstum bislang kaum erkennbar. Dass eine Zinserhöhung im November dennoch näher rückt, führen Ökonomen vor allem auf das übergeordnete geldpolitische Umfeld zurück.
Zinsausblick stützt das britische Pfund
An den Devisenmärkten sorgten die Arbeitsmarktdaten für Auftrieb bei der britischen Währung. Gegenüber dem Euro kletterte das Pfund auf 0,8400, während es im Verhältnis zum US-Dollar einen Höchststand von 1,3359 erreichte.
Wie tragfähig dieser Aufwärtstrend ist, hängt nun wesentlich von den anstehenden Teuerungsdaten ab. Am Mittwoch folgt die Veröffentlichung der britischen Verbraucherpreise für September. Liefert die Inflationsrate den Währungshütern weitere Argumente für eine Straffung, könnte die Bank of England ihren angepeilten Zinsschritt im November zügig vollziehen.


