China nimmt Broadcom ins Visier. Die staatliche Aufsichtsbehörde SASAC untersucht laut einem Bericht der Financial Times, wie stark staatliche Rechenzentren auf Netzwerk-Switches des US-Chipherstellers setzen. Bei einigen staatlichen Unternehmen sollen die Geräte bis zu 90 Prozent der eingesetzten Hardware ausmachen — ein Anteil, der Peking offenbar zu hoch ist.

Domestic Chips statt US-Technologie

Die Prüfung reiht sich in Chinas Kampagne für technologische Eigenständigkeit ein. Ziel ist es, Rechenzentren stärker mit heimischen Chips und Netzwerktechnik auszustatten. Nvidia-Produkte sind in staatlichen Rechenzentren bereits verboten, Broadcom-Switches waren davon bislang ausgenommen.

Aus den vorläufigen Erkenntnissen der Untersuchung könnte SASAC nun eine informelle Empfehlung ableiten, den Einsatz von Broadcom-Technik zurückzufahren. Von einer solchen Verlagerung würden chinesische Anbieter wie Huawei, H3C Technologies und Ruijie Networks profitieren — allesamt Konkurrenten, die Peking im Rahmen der „Domestic Chips for Domestic Use“-Strategie gezielt stärken will.

Kursreaktion bleibt moderat

Die Broadcom-Aktie reagierte auf die Berichte mit Abschlägen im Handelsverlauf des Mittwochs, zeitweise über ein Prozent im vorbörslichen und frühen Handel. Verglichen mit dem Schlusskurs vom Vortag bei 364,54 Dollar blieb die Bewegung überschaubar — kein Ausverkauf, aber ein spürbares Signal, dass geopolitische Risiken im China-Geschäft wieder stärker eingepreist werden.

Der breitere Marktkontext half der Aktie nicht: Steigende Ölpreise und anziehende Anleiherenditen drückten am Mittwoch auf die gesamte Technologiebranche, der Nasdaq-Composite gab nach seinem Rekordhoch vom Vortag nach.

Für Broadcom ist China ein wichtiger, aber nicht der einzige Absatzmarkt für Netzwerktechnik. Eine formelle Entscheidung von SASAC steht noch aus — bis dahin bleibt offen, wie weit die angedeutete Abkehr von US-Switches tatsächlich reicht.