Liebe Leserinnen und Leser,
1,74 Prozent Erholung am Vortag, 1,61 Prozent Verlust am Donnerstag – der DAX schloss bei 23.815 Punkten und rutschte damit wieder unter die psychologisch wichtige 24.000er-Marke. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich mehr als nur ein weiterer nervöser Handelstag: Während die Straße von Hormus weiterhin die Ölmärkte beherrscht und der Schiffsverkehr nahezu zum Erliegen kommt, liefert ausgerechnet ein Chipkonzern aus Kalifornien die vielleicht wichtigste Tech-Nachricht der Woche. Broadcom will Nvidia auf dessen ureigenem Terrain herausfordern – mit KI-Chips, die 2027 über 100 Milliarden Dollar Umsatz bringen sollen. Ein gewagtes Versprechen in Zeiten, in denen Anleger zwischen Hoffnung auf Deeskalation und der Angst vor dauerhaft höheren Energiepreisen schwanken.
Broadcom greift nach der KI-Krone: 100 Milliarden Dollar als Kampfansage
Wenn ein Unternehmen ankündigt, seinen KI-Chip-Umsatz innerhalb von zwei Jahren zu verfünffachen, horchen selbst abgebrühte Analysten auf. Broadcom legte am Mittwochabend Zahlen vor, die zeigen: Der Chipkonzern meint es ernst. Im ersten Geschäftsquartal (bis Ende Januar) kletterte der Umsatz um 29 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar, die bereinigte operative Marge lag bei beeindruckenden 68 Prozent. Doch CEO Hock Tan blickt bereits weiter: Für das laufende Quartal bis Ende April erwartet er ein Umsatzplus von 47 Prozent auf 22 Milliarden Dollar – deutlich mehr als die von Analysten erwarteten 20,5 Milliarden.
Das eigentliche Signal aber steckt in Tans Vision für 2027: Mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz mit KI-Chips. Zum Vergleich: 2025 waren es gerade einmal 20 Milliarden. Die Botschaft ist klar – Broadcom positioniert sich mit maßgeschneiderten Halbleitern als ernsthafte Alternative zu Nvidias Quasi-Monopol bei KI-Beschleunigern. Die Aktie reagierte vorbörslich mit einem Plus von über 6 Prozent, während Nvidia-Papiere leicht nachgaben. Ob Broadcom die ambitionierten Ziele erreicht, hängt auch davon ab, ob Großkunden wie Meta, Anthropic und OpenAI tatsächlich in großem Stil auf Custom-Chips setzen. Die Lieferketten jedenfalls seien gesichert, betonte Tan – ein nicht zu unterschätzendes Argument in einer Welt, in der Halbleiter-Kapazitäten zum strategischen Gut geworden sind.
Anzeige: Solche Disruptions-Momente wie der Kampf um die KI-Chip-Dominanz zeigen, wie schnell sich Märkte neu sortieren können. Felix Baarz hat in seinem kostenlosen Webinar eine Drei-Stufen-Strategie entwickelt, mit der er vier Unternehmen identifiziert hat, die das Potenzial für außergewöhnliche Kursgewinne besitzen. Er analysiert konkret, welche strukturellen Umbrüche gerade stattfinden und welche Aktien davon profitieren könnten – ähnlich wie Applied Digital mit über 5.500% in fünf Jahren. Baarz zeigt, wie man solche Gewinner früh erkennt, bevor die breite Masse aufspringt. Sie lernen die konkrete Systematik hinter der Auswahl dieser vier Hot-Stock-Wetten und warum in turbulenten Zeiten oft die größten Vermögen entstehen. Details zur Hot Stock Wette mit vier konkreten Aktien
DAX unter Druck: Wenn eine Meerenge wichtiger wird als Quartalszahlen
Der deutsche Leitindex kämpft mit einer Gemengelage, die selbst erfahrene Marktteilnehmer ratlos macht. Am Donnerstag fiel der DAX zeitweise unter 24.000 Punkte – ein Niveau, das zuletzt Anfang des Jahres erreicht wurde, als der Index noch auf Rekordkurs war. Das Allzeithoch vom 13. Januar bei 25.507 Punkten scheint mittlerweile in weiter Ferne. Verantwortlich dafür ist vor allem die Straße von Hormus: Der Schiffsverkehr durch die Meerenge, durch die ein Großteil des globalen Ölhandels fließt, ist nahezu zum Erliegen gekommen. Die Folge: Brent-Öl verteuerte sich am Donnerstag um gut 3 Prozent auf über 84 Dollar, während die Anleiherenditen anzogen – ein Zeichen dafür, dass Investoren mit dauerhaft höherer Inflation rechnen.
„Die Energiepreise sind gestiegen und die physischen Lieferungen aus der Region unterbrochen“, schrieb Analyst Felix-Antoine Vezina-Poirier von BCA Research. Seine Warnung: Sollte die Inflation infolge des Iran-Kriegs dauerhaft steigen, sollten Anleger Aktien und Anleihen untergewichten und stattdessen auf Cash und Rohstoffe setzen. Der Iran feuerte am Donnerstag erneut Raketen auf Israel ab, während Israel seine zwölfte Angriffswelle gegen iranische Ziele flog. Die Hoffnung auf eine schnelle Deeskalation, die am Mittwoch noch für eine Erholung gesorgt hatte, erwies sich als trügerisch. Für den DAX bedeutet das: Die 200-Tage-Linie, ein wichtiger Indikator für den langfristigen Trend, ist wieder unterschritten. Anleger bewegen sich zwischen Hoffen und Bangen – und die Märkte spiegeln diese Unsicherheit eins zu eins wider.
Bitcoin hält sich wacker: ETF-Zuflüsse als Stabilisator in stürmischen Zeiten
Während Aktienmärkte schwanken, zeigt sich Bitcoin erstaunlich resilient. Die größte Kryptowährung kletterte am Donnerstag um 1,5 Prozent auf 72.620 Dollar, nachdem sie am Vortag ein Einmonatshoch von 73.243 Dollar erreicht hatte. Der Grund für die relative Stärke: massive Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs. Am Mittwoch flossen 462 Millionen Dollar in die Produkte – fast doppelt so viel wie am Dienstag. Marktführer iShares Bitcoin Trust (IBIT) allein verzeichnete Zuflüsse von 307 Millionen Dollar. Diese institutionelle Nachfrage wirkt wie ein Puffer gegen die geopolitischen Turbulenzen, die andere Risikoassets belasten.
Auch Ethereum profitierte von diesem Trend: Die zweitgrößte Kryptowährung legte 2,5 Prozent auf 2.117 Dollar zu, nachdem Ethereum-ETFs am Mittwoch Zuflüsse von 169 Millionen Dollar verzeichneten – nach Abflüssen von 11 Millionen am Dienstag. Die Liquidationsdaten zeigen zudem, dass vor allem Short-Positionen im Wert von 348 Millionen Dollar zwangsgeschlossen wurden, während Long-Positionen nur 119 Millionen Dollar ausmachten. Ein klassischer Short Squeeze also, der die Kurse zusätzlich antrieb. Doch nicht alle teilen die Euphorie: Milliardär Ray Dalio erneuerte seine Kritik an Bitcoin und warnte, die Kryptowährung habe keine Zentralbank-Absicherung, biete keine Privatsphäre und sei anfällig für Fortschritte im Quantencomputing. „Es gibt nur ein Gold“, betonte der Bridgewater-Gründer – auch wenn er selbst zugibt, 1 Prozent seines Portfolios in Bitcoin zu halten.
CleanSpark setzt auf Texas: Wenn Bitcoin-Mining auf Hyperscale-Infrastruktur trifft
Während Bitcoin-Kurse schwanken, bauen Mining-Unternehmen ihre Kapazitäten konsequent aus. CleanSpark, einer der größten Bitcoin-Miner der USA, schloss im Februar den Kauf seines zweiten Texas-Campus ab und fügte damit 300 Megawatt ERCOT-genehmigte Kapazität hinzu. Das Unternehmen positioniert sich damit nicht nur als Miner, sondern als Betreiber von „hyperscale-ready“ digitaler Infrastruktur – mit einem Auge auf KI- und High-Performance-Computing. Die Strategie: Vorhersehbare Cashflows aus diszipliniertem Mining heute, Monetarisierung von Rechenzentrums-Infrastruktur morgen.
Im Februar produzierte CleanSpark 568 Bitcoin bei einer durchschnittlichen Tagesproduktion von 20,29 BTC. Die operative Hashrate erreichte 50 Exahash pro Sekunde, während das Unternehmen 553 Bitcoin verkaufte und damit 36,7 Millionen Dollar erlöste – zu einem Durchschnittspreis von 66.279 Dollar pro BTC. CEO Matt Schultz betonte, man betreibe die Bilanz mit derselben Überzeugung wie die Operationen: „Wir haben in den letzten 18 Monaten 20 Prozent unserer eigenen Aktien zurückgekauft, weil wir an das glauben, was wir aufbauen.“ Die Botschaft ist klar: CleanSpark sieht sich nicht als reines Mining-Play, sondern als Infrastruktur-Anbieter in einem der attraktivsten Strommärkte Nordamerikas. Mit 1,8 Gigawatt kontrahierter Leistung und einer flexiblen Treasury-Strategie will das Unternehmen von beiden Welten profitieren – Bitcoin und Rechenzentren.
Rüstungsaktien im Fokus: RENK enttäuscht trotz Rekorden, Rheinmetall hält sich
Der Rüstungsboom beschert deutschen Zulieferern weiterhin volle Auftragsbücher – doch die Börse honoriert das nicht immer. RENK, Spezialist für Panzer- und Marine-Antriebe, meldete für 2025 Rekordzahlen: Der Umsatz stieg um knapp ein Fünftel auf 1,37 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich um 21,7 Prozent auf 230 Millionen Euro. Der Auftragsbestand kletterte auf 6,7 Milliarden Euro. Doch die Aktie verlor am Donnerstag über 6 Prozent. Der Grund: Der Ausblick für 2026 lag am Mittelpunkt der Zielspannen etwas unter den Erwartungen, und das vierte Quartal enttäuschte. Analysten bemängelten zudem, dass verzögerte Aufträge den freien Mittelzufluss belasteten.
Rheinmetall hingegen hielt sich mit einem Plus von 2,1 Prozent besser. JPMorgan-Analyst David Perry sieht das geopolitische Umfeld als Rückenwind für Rüstungsaktien und betonte, RENK sei wegen seiner Präsenz auf deutschen und US-Märkten „außergewöhnlich gut positioniert“. Kursschwäche sei daher eine Kaufgelegenheit. Die Botschaft: Langfristig bleibt die Story intakt – auch wenn kurzfristige Enttäuschungen die Kurse belasten. In Zeiten, in denen der Iran-Krieg die Verteidigungsausgaben weltweit nach oben treibt, dürfte die Nachfrage nach Rüstungsgütern hoch bleiben. Die Frage ist nur, ob die Bewertungen bereits zu viel vorwegnehmen.
Ausblick: Zwischen Ölpreis-Angst und KI-Hoffnung
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Märkte ihre Nervosität ablegen können. Am Freitag steht der US-Arbeitsmarktbericht für Februar an – ein wichtiger Indikator dafür, wie robust die amerikanische Wirtschaft trotz steigender Energiepreise bleibt. In Deutschland richtet sich der Blick auf die Lufthansa-Zahlen und die Frage, wie stark die Airline unter den Flugstreichungen in den Nahen Osten leidet. Und in der Krypto-Welt wird beobachtet, ob die ETF-Zuflüsse anhalten oder ob die geopolitischen Risiken doch noch auf Bitcoin durchschlagen.
Eines ist klar: Die Märkte befinden sich in einer Phase, in der Geopolitik wichtiger ist als Fundamentaldaten. Broadcom kann noch so beeindruckende Zahlen vorlegen – wenn der Ölpreis weiter steigt und die Inflationssorgen zurückkehren, werden selbst Tech-Giganten unter Druck geraten. Umgekehrt könnte eine Deeskalation im Iran-Konflikt die Stimmung blitzschnell drehen. Anleger sollten sich auf weitere volatile Tage einstellen – und darauf, dass die Straße von Hormus vorerst wichtiger bleibt als jede Quartalsbilanz.
Bis morgen,
Andreas Sommer


