Bulgariens amtierende Staatschefin Ilijana Jotowa steht vor dem Sieg bei der Präsidentschaftsstichwahl und dürfte ihren bisherigen Kurs fortsetzen. Nach ersten Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe erreicht die Kandidatin der regierenden Mitte-Links-Partei 51 Prozent der Stimmen. Ihr prowestlicher Herausforderer Andrej Gjurow liegt mit knapp 45 Prozent dahinter.
Außenpolitischer Kurs an der Nato-Ostflanke
Die Wahl in dem südöstlichen EU-Land stand ganz im Zeichen des Krieges in der Ukraine. Jotowa warb im Wahlkampf für eine Verhandlungslösung mit Russland und will die zurückhaltende Linie ihres Vorgängers Rumen Radew beibehalten. Neben den regierenden Kräften sprachen ihr im Vorfeld der Stichwahl auch prorussische Nationalisten Unterstützung zu.
Herausforderer Gjurow, ein 50-jähriger Ökonom und früherer Interimsregierungschef, vertritt das liberal-konservative Lager. Er plädiert für eine deutlich engere Bindung an die westlichen Verbündeten und mehr Hilfe für die Ukraine. Für das Land an der Ostflanke des Bündnisses ist die Lage spürbar angespannt: Zuletzt häuften sich Drohnenangriffe auf Handelsschiffe in der bulgarischen Wirtschaftszone im Schwarzen Meer.
Geringe Beteiligung und wirtschaftlicher Druck
Hinter der politischen Richtungsentscheidung stehen handfeste wirtschaftliche Sorgen der Bevölkerung. Steigende Lebenshaltungskosten und teure Treibstoffe belasten den Alltag in einem der einkommensschwächsten EU-Staaten. Das Votum gilt daher auch als Test für die regierende Mitte-Links-Partei nach einem halben Jahr im Amt.
Trotz der politischen Tragweite blieb das Interesse an den Urnen überschaubar. Die Wahlbeteiligung lag kurz vor Schließung der Wahllokale bei nur 29 Prozent, auch wenn dies leicht über dem Niveau der ersten Runde lag.
Bereits im ersten Wahlgang vor einer Woche hatte Jotowa mit 34,76 Prozent knapp vor Gjurow gelegen, der 31,95 Prozent erreichte. Da in der Wahlnacht kaum mit amtlichen Endergebnissen gerechnet wird, dürften belastbare Resultate erst im Laufe der nächsten Tage vorliegen.


