Die Bundesregierung will die vergleichsweise leeren deutschen Gasspeicher vor dem kommenden Winter ohne neue Belastungen für Steuerzahler auffüllen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche setzt dabei auf die Staatskonzerne Sefe und Uniper, die eigenständig Gas einspeichern sollen. Die anfallenden Kosten soll der Markt tragen, statt wie im Krisenjahr 2022 über eine staatliche Umlage auf die Verbraucher abgewälzt zu werden.

Hohe Einkaufspreise bremsen Speicherstände

Derzeit sind die deutschen Erdgasspeicher nur zu rund 56 Prozent befüllt. Großhändler kaufen Erdgas üblicherweise im Sommer günstig ein, lagern es ein und verkaufen es im Winter mit Aufschlag weiter. Infolge des Krieges gegen den Iran liegen die Marktpreise für Erdgas allerdings ungewöhnlich hoch. Das macht die Einspeicherung für private Händler wirtschaftlich unattraktiv und erklärt den aktuellen Rückstand.

Die beiden staatlich beherrschten Importeure sollen diese Lücke nun schließen. Sefe befindet sich vollständig im Bundesbesitz, Uniper gehört dem Staat zu 99 Prozent. Während die von Uniper betriebenen Kavernen bereits vergleichsweise gut dastehen, hinkt der von Sefe betriebene Speicher im niedersächsischen Rehden hinterher.

Unternehmen betonen wirtschaftliche Eigenständigkeit

Beide Konzerne weisen Vermutungen zurück, sie handelten auf direkte Weisung aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Sefe betonte, die Befüllung sei eine eigenständige kommerzielle Entscheidung und wirtschaftlich vorteilhaft. Versorgungssicherheit und Profitabilität stünden nicht im Widerspruch zueinander, zumal die Europäische Union eine weitgehende Privatisierung von Sefe bis Ende 2028 verlangt.

Am Aktienmarkt kam das Vorgehen gut an. Die Aktie von Uniper legte im Xetra-Handel zeitweise um 1,86 Prozent auf 49,25 Euro zu.

Zusätzliche Marktanreize für den Herbst

Um weitere Gasmengen zu sichern, plant das Ministerium Anreize für den gesamten Markt. Über Ausschreibungen sogenannter Long Term Options soll der Marktmanager Trading Hub Europe im Herbst zusätzliche Lieferungen reservieren. Händler erhalten dafür eine feste Gebühr und bei Abruf einen garantierten Höchstpreis, müssen die Gasmengen im Gegenzug aber verbindlich vorhalten.

Die Bundesregierung hält eine akute Mangellage in den kommenden Monaten nach aktuellem Erkenntnisstand für unwahrscheinlich. Reiche kündigte an, der Staat werde nicht selbst als unkoordinierter Käufer auftreten, um die Großhandelspreise nicht weiter nach oben zu treiben.