Ein plötzlicher Verkaufsdruck im Technologiesektor hat an den europäischen Rentenmärkten für spürbare Entlastung gesorgt. Investoren suchten am Donnerstag Zuflucht in sicheren Staatsanleihen, nachdem Technologieaktien weltweit unter Abgabedruck geraten waren. Der richtungweisende Euro-Bund-Future kletterte bis zum späten Nachmittag um 0,60 Prozent auf 121,68 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank im Gegenzug auf 3,39 Prozent.
Zinsangst trifft den Technologiesektor
Der Ausverkauf nahm an den asiatischen Handelsplätzen seinen Anfang und erfasste vor allem den Sektor der Künstlichen Intelligenz. Auslöser war eine unerwartet hohe Inflation in den USA, die Spekulationen über steigende Leitzinsen anheizte.
Für viele KI-Unternehmen birgt das direkte Risiken. Da teure Investitionen in diesem Segment häufig mit Fremdkapital finanziert werden, schüren drohende Zinsanstiege die Sorge vor spürbar höheren Kreditkosten.
Feste Kurse trotz robuster US-Konjunktur
Parallel dazu sanken auch die Renditen in anderen Ländern des Euroraums. In Frankreich gab die Rendite für zehnjährige Papiere zeitweise um 0,12 Prozentpunkte auf 4,76 Prozent nach. Zuvor hatten Sorgen über die französischen Staatsfinanzen die Zinsen dort noch nach oben getrieben.
Mit der Erholung machten Bundesanleihen ihre Verluste vom Vortag mehr als wett. Selbst robuste Konjunkturdaten aus Übersee bremsten die Kursgewinne der Festverzinslichen nicht aus. Sowohl die unerwartet gestiegenen Umsätze im US-Einzelhandel als auch positive Stimmungsbarometer aus der amerikanischen Industrie traten gegenüber der Nachfrage nach sicheren Häfen in den Hintergrund.
Am Rentenmarkt richtet sich der Blick nun auf anstehende US-Daten zu den Erzeugerpreisen sowie wöchentliche Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt. Zeigen die Daten weiteren Preisdruck, droht sich der Abstand zwischen Zinsfurcht und Konjunkturzuversicht weiter zu vergrößern.


