Die Hoffnung auf eine Einigung im Konflikt um die Straße von Hormus hat den deutschen Anleihemarkt gestützt. Sinkende Ölpreise dämpften die Inflationserwartungen und trieben die Kurse der Bundesanleihen nach oben. Allerdings bremst der anhaltende Teuerungsdruck in Europa eine nachhaltige Zinswende sofort wieder aus.
Diplomatie dämpft die Ölpreise
Im Zentrum des Marktgeschehens standen die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über Schifffahrtsrouten im Nahen Osten. Nachdem US-Präsident Donald Trump einen ersten iranischen Vorschlag zunächst zurückgewiesen hatte, nährten fortgesetzte Gespräche die Hoffnung auf einen Kompromiss. Der richtungweisende Euro-Bund-Future kletterte daraufhin am Mittwoch um 0,33 Prozent auf glatt 120 Punkte. Parallel dazu sank die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 3,57 Prozent.
Rückendeckung erhielten die Kurse auch von der Konjunkturseite. Die wirtschaftliche Stimmung in der Eurozone trübte sich ein. Der von der EU-Kommission erhobene Sentiment-Indikator sank im September um 0,5 Punkte auf 97,9 Zähler. Zudem signalisierte EZB-Präsidentin Christine Lagarde Gelassenheit. Der vorangegangene Anstieg der Renditen nehme den Währungshütern bereits einen Teil der geldpolitischen Straffung ab.
Teuerungsschub in der Eurozone
Die Beruhigung an den Märkten erwies sich jedoch rasch als brüchig. Neue Preisdaten aus mehreren Mitgliedsstaaten zeigten, dass die Teuerung keineswegs gebannt ist. Vor allem die Energiekosten heizten die Teuerung wieder an.
In Deutschland beschleunigte sich die Inflation im September von 2,9 auf 3,3 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigte sich in Südeuropa. In Italien kletterte die harmonisierte Inflationsrate im Jahresvergleich sprunghaft von 3,2 auf 4,1 Prozent. Auch aus Spanien kamen Meldungen über einen beschleunigten Preisanstieg.
Die anziehende Teuerung weckt Zweifel an einer schnellen Zinspause. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet vor diesem Hintergrund bereits mit einer weiteren geldpolitischen Straffung der Europäischen Zentralbank im vierten Quartal. Am Freitag folgen die aggregierten Preisdaten für den gesamten Euroraum, ergänzt durch den anstehenden Arbeitsmarktbericht aus den USA. Beide Veröffentlichungen liefern den nächsten Härtetest für das Zinsniveau.


