Deutschlands Wirtschaft wächst im laufenden Jahr stärker als bisher veranschlagt. In ihrer Herbstprojektion hebt die Bundesregierung die Prognose für das Bruttoinlandsprodukt 2026 auf 1,3 Prozent an. Im Frühjahr lag die Erwartung nach kriegsbedingten Preissprüngen bei Energie noch bei 0,5 Prozent. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mahnt ungeachtet des deutlichen Anstiegs zur Vorsicht: Die Erholung stehe auf wackligen Beinen.
Staatsausgaben und Exporte treiben das Plus
Hinter der Aufwärtskorrektur stehen vor allem zwei Stützen: ein anziehendes Exportgeschäft und staatliche Gelder. Berlin investiert verstärkt in die Modernisierung der Infrastruktur sowie in Verteidigung, was die Auftragsbücher füllt.
Die Industrieproduktion stieg im August um 2 Prozent. Zudem stützten ein solides erstes Halbjahr und der Lageraufbau energieintensiver Güter die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.
Für das Jahr 2027 hebt die Regierung ihre Schätzung von 0,9 auf 1,1 Prozent an.
Belastungen dämpfen die Binnenwirtschaft
Ein selbsttragender Aufschwung ist das allerdings noch nicht. Reiche verwies im Bundestag darauf, dass die Lage fragil bleibe. Neben externen Belastungen durch den Konflikt mit dem Iran bremsen strukturelle Probleme den Standort.
Der private Konsum bleibt angesichts steigender Preise schwach. Parallel dazu erholen sich die Unternehmensinvestitionen nur allmählich. Hohe Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten, US-Handelsbarrieren und der Wettbewerbsdruck aus China belasten die Betriebe. Aus der Wirtschaft kommt zudem Kritik an Regulierung, Steuerlast, Arbeitskosten und langen Genehmigungsverfahren.
Koalition vor strittigen Reformen
Die Wirtschaftsministerin pocht deshalb auf Gegenmaßnahmen. Es gelte, Fesseln zu lösen: durch flexiblere Arbeitszeiten, eine Stabilisierung der Sozialabgaben, Bürokratieabbau und wettbewerbsfähige Energiepreise. In der schwarz-roten Koalition stehen nun Verhandlungen an, bei denen konkrete Schritte für den Arbeitsmarkt und die Rentenreform auf der Agenda liegen.


