Mit festen Zielmarken für Wirtschaft und Verwaltung versucht die Bundesregierung, den drohenden Rückstand bei Künstlicher Intelligenz abzuwenden. Beim Digitalgipfel in Berlin mahnte Bundeskanzler Friedrich Merz mehr Tempo an, um den Anschluss an die führenden Standorte USA und China nicht zu verlieren. Nach Einschätzung einer Regierungskommission bleiben dafür lediglich zwölf bis achtzehn Monate.
Das Zeitfenster für eine erfolgreiche Aufholjagd schließt sich rasch. Zwar verfügt der Standort über eine starke Ausgangsposition in der universitären Forschung, der Abstand zu den Spitzenreitern droht jedoch kontinuierlich zu wachsen. Um eine einseitige technologische Abhängigkeit zu verhindern, setzt die Politik auf eine Doppelstrategie: Kurzfristig soll der industrielle Einsatz gefördert werden, während parallel die Forschung an künftigen Systemen wie der physischen KI vorangetrieben wird.
Feste Quoten für Unternehmen und Behörden
Um den Wandel messbar zu beschleunigen, sieht der Abschlussbericht der eingesetzten Taskforce konkrete Zielmarken bis zum Jahr 2030 vor:
- Mindestens 80 Prozent der Großunternehmen sollen KI-Anwendungen aktiv nutzen.
- Bei kleinen und mittleren Betrieben soll die Einsatzquote 55 Prozent erreichen.
- Die Zahl der heimischen KI-Startups soll sich im selben Zeitraum verdreifachen.
- Über 10 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung sollen KI-basiert entstehen.
- In 90 Prozent der Bundesbehörden soll mindestens eine Kernaufgabe durch KI unterstützt werden.
Um die nötige Schlagkraft gegen marktbeherrschende Plattformen zu entwickeln, sucht Berlin den Schulterschluss mit Partnerländern. Geplant ist eine vertiefte Kooperation mit Frankreich und Kanada. Auf diese Weise sollen Alternativen zu den dominierenden großen Modellen aufgebaut und Lieferketten im Technologiesektor abgesichert werden.
Debatte über Arbeitsplätze und Steuern
Gleichzeitig wächst die politische Diskussion über die gesellschaftlichen Folgen der Automatisierung. Während internationale Technologie-Manager teils eine Zukunft prognostizieren, in der menschliche Arbeit vollständig ersetzt wird, lehnt das Bundesdigitalministerium solche Visionen ab. Der Wandel müsse steuerbar bleiben, wobei der Mensch im Mittelpunkt der Wertschöpfung stehen soll.
Wirtschaftliche Risiken für Arbeitnehmer bleiben dennoch ein zentrales Thema. Wenn administrative Aufgaben und Routinen zunehmend durch Software übernommen werden, droht ein Wegfall traditioneller Büroberufe. Aus den Reihen der Bundesregierung kommen deshalb Vorstöße für veränderte Abgaben: Sollte künftig ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung über Künstliche Intelligenz generiert werden, müssten auch neue Formen der Besteuerung greifen, um den Strukturwandel abzufedern. Bis zum Jahresende 2027 wird sich zeigen, ob die nun beschlossenen industriepolitischen Maßnahmen ausreichen, um die formulierten Ziele für 2030 erreichbar zu halten.


