BYD legt im Juli wieder zu. Der chinesische Elektroautobauer verkaufte 419.211 Fahrzeuge, ein Plus von 21,76 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Haken: Das Jahresziel rückt trotzdem in weite Ferne.

Die Aktie schloss am Freitag bei 10,30 Euro, ein Minus von 0,94 Prozent auf Tagessicht. Über die vergangene Woche steht dennoch ein Plus von 4,93 Prozent, über den Monat sogar von 18,73 Prozent. Die frischen Verkaufszahlen vom Wochenende liefern dafür die Erklärung.

Dritter Monat in Folge mit Wachstum

Juli war für BYD bereits der dritte Monat in Folge mit Jahreswachstum. Im Juni hatte das Plus noch bei 5,46 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Vormonat Juni wuchsen die Verkäufe um 3,90 Prozent – der stärkste Monatswert des laufenden Jahres.

Der Antrieb dafür kommt fast ausschließlich aus dem Ausland. BYD verkaufte im Juli 179.841 Fahrzeuge außerhalb Chinas, ein Sprung von 124,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht rund 43 Prozent der gesamten Monatsverkäufe. Im Heimatmarkt sanken die Verkäufe dagegen um etwa 9 Prozent auf rund 239.370 Einheiten – ein deutlich schwächerer Rückgang als in den Vormonaten.

Für die ersten sieben Monate des Jahres summieren sich die Verkäufe auf 2.227.722 Fahrzeuge, ein Rückgang von 10,54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr lag das Minus noch bei 15,72 Prozent. Die Erholung gewinnt also an Tempo. Die kumulierten Auslandsverkäufe erreichten 969.208 Einheiten, das sind 43,5 Prozent der Gesamtverkäufe. Insgesamt hat BYD mittlerweile mehr als 17,3 Millionen Elektrofahrzeuge ausgeliefert.

Jahresziel bleibt unter Druck

Das eigentliche Problem liegt woanders. BYD hat im ersten Halbjahr 1,81 Millionen Fahrzeuge verkauft. Um das untere Ende der Jahresprognose von 5 bis 5,5 Millionen Fahrzeugen zu erreichen, müsste der Konzern in den verbleibenden Monaten im Schnitt 530.000 Einheiten pro Monat ausliefern. Aktuelle Beobachtungen von Bloomberg zeigen: BYD liegt bereits hinter diesem Tempo zurück.

Ein Teil der Heimatmarkt-Schwäche geht auf einen Technologiewechsel zurück. BYD steigt von der ersten Generation der Blade-Batterie auf eine zweite Generation mit Schnellladefunktion um. Dieser Wechsel hatte die Lieferzeiten mehrerer Schlüsselmodelle zuletzt gestreckt.

Neue Märkte, neues Flaggschiff

Der Exportschub fällt mit einem gezielten Vorstoß in umkämpfte Auslandsmärkte zusammen. In Japan startet der BYD Racco bei 2,145 Millionen Yen, umgerechnet rund 13.100 Dollar. Nach Abzug staatlicher Subventionen fällt der Preis unter 2 Millionen Yen. Damit zielt BYD direkt auf Japans K-Car-Segment, das fast 40 Prozent aller Neuwagenverkäufe im Land ausmacht.

Der Racco tritt gegen etablierte japanische Modelle an: den Nissan Sakura, den Honda N-Box und den Suzuki Spacia. Nach Subventionen unterbietet BYD den Sakura um rund 2.800 Dollar.

Parallel dazu bereitet BYD einen Vorstoß ins Premiumsegment zu Hause vor. Der neue Da Han soll im August auf der Chengdu Auto Show debütieren, ausgestattet mit einem 102-kWh-Akku und einer CLTC-Reichweite von bis zu 1.008 Kilometern. Die Messe in Chengdu läuft vom 21. bis 30. August.

Charttechnisches Bild

Die Aktie notiert weiterhin deutlich unter ihrem Rekordhoch von 13,23 Euro aus dem August 2025 – der Abstand beträgt 22,18 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 8,03 Euro, erreicht Ende Juni 2026, liegt dagegen ein Polster von 28,25 Prozent. Der RSI von 61,7 signalisiert, dass für die Rally noch Raum nach oben besteht, bevor überkaufte Bereiche erreicht wären.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich das Auslandsgeschäft weiter so stark entwickelt wie im Juli. Nur dann kann BYD die Lücke zum Jahresziel noch spürbar verkleinern – der Rückstand auf die nötige Verkaufsrate bleibt vorerst bestehen.