BYD hat im Juli mehr Fahrzeuge verkauft als je zuvor in einem einzelnen Monat außerhalb Chinas – und liegt trotzdem hinter dem eigenen Jahresplan zurück. Der Konzern setzte im Juli weltweit 419.211 Neuenergiefahrzeuge im Großhandel ab, ein Plus von 21,76 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Es war bereits der dritte Monat in Folge mit zweistelligem Wachstum.

Besonders kräftig fiel das Auslandsgeschäft aus: Die Verkäufe von Personenwagen und Pick-ups außerhalb Chinas erreichten mit 179.841 Einheiten einen Rekordwert, ein Sprung von 124,3 Prozent im Jahresvergleich. Damit bestätigt sich ein Trend, den BYD seit Monaten treibt – die internationale Expansion trägt inzwischen einen wachsenden Teil des Gesamtabsatzes.

Rechnerisch fehlt Tempo für das Jahresziel

Trotz der starken Zahlen zeichnet sich laut Bloomberg ein Problem ab: BYD hat in der ersten Jahreshälfte 1,81 Millionen Fahrzeuge verkauft. Um das untere Ende des selbst gesteckten Ziels von 5 bis 5,5 Millionen Fahrzeugen zu erreichen, müsste der Konzern für den Rest des Jahres im Schnitt rund 530.000 Einheiten monatlich absetzen. Das aktuelle Julitempo liegt spürbar darunter. Die Kluft zwischen Auslandsdynamik und Gesamtzielerreichung dürfte in den kommenden Monaten das zentrale Thema für Anleger bleiben.

Der Aktienkurs spiegelt diese Unsicherheit wider. Das Papier schloss am Dienstag bei 9,80 Euro, nach einem Rückgang von 0,8 Prozent. Über die vergangenen zwölf Monate hat die Aktie rund 21 Prozent verloren und notiert damit deutlich unter dem Hoch von 13,23 Euro, das im August vergangenen Jahres erreicht wurde – ein Abstand von 26 Prozent. Die Bewertung am Markt bleibt entsprechend gedämpft, auch wenn operativ einzelne Segmente stark wachsen.

Neue Modelle und Technologiefelder als Gegengewicht

Parallel zur Absatzdebatte treibt BYD sein Produktportfolio voran. Die Tochtermarke Denza öffnete Anfang August den Vorverkauf der Mittel- bis Oberklasse-Limousine Z9S, mit Preisen zwischen 319.800 und 389.800 Yuan.

Das Modell erreicht nach CLTC-Norm eine Reichweite von 1.100 Kilometern und bricht damit den Rekord für die größte Reichweite eines in Serie gefertigten reinen Elektrofahrzeugs. Zusätzlich verfügt der Wagen über eine Schnellladefunktion, die den Akku in fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent und in neun Minuten auf 97 Prozent lädt.

Über das Kerngeschäft hinaus verfolgt BYD auch Ambitionen in der Robotik. Der Konzern hatte bereits Ende 2024 unter seiner 15. Geschäftsdivision ein Team für verkörperte künstliche Intelligenz aufgebaut und plant für August die Vorstellung eines humanoiden Roboters.

Für Anleger bleibt die Gemengelage zweischneidig: Die Auslandsexpansion liefert Rekordzahlen und technologische Fortschritte bei neuen Modellen unterstreichen die Innovationskraft. Gleichzeitig wächst der Druck, das ambitionierte Jahresziel überhaupt noch zu erreichen – ein Umstand, den der Kurs mit seiner schwachen Jahresperformance bereits einpreist.