BYD-Chef Wang hat ambitionierte Ziele für das laufende Jahr ausgegeben — und die Latte gleich zweimal höher gelegt. Das Auslandsgeschäft wächst schneller als erwartet, die Technologiepipeline füllt sich. An der Börse kommt das bislang nicht an.

Verkaufsziele immer wieder nach oben korrigiert

Anfang des Jahres plante BYD noch 1,3 Millionen Fahrzeugverkäufe im Ausland. Im März hob Wang das Ziel auf 1,5 Millionen an. Inzwischen deutet er an, dass selbst diese Marke fallen wird.

Als entscheidender Engpass gilt die Batterieproduktion. Wang macht den weiteren Absatz direkt von der Fertigungskapazität abhängig. Er erwartet, dass mit steigender Kapazität die Verkaufszahlen 2026 stark zulegen — und 2027 nochmals deutlich höher ausfallen. Sobald der Kapazitätsaufbau abgeschlossen ist, sollen Inland und Ausland gleichzeitig wachsen.

Als technologische Treiber nennt Wang die zweite Generation der Blade-Batterie sowie die Schnellladetechnologie. Beide Entwicklungen stoßen international auf Resonanz.

Autonomes Fahren als nächster Schritt

Wang sieht das Fahrzeug als „verkörperte Intelligenz“ — und BYD hat dafür eine beachtliche Datenbasis aufgebaut. Weltweit fahren 3,15 Millionen BYD-Fahrzeuge mit aktiviertem Fahrassistenzsystem. Sie sammeln täglich 200 Millionen Kilometer an Fahrdaten.

Diese Datenmenge soll den Sprung zu höheren Autonomiestufen beschleunigen. Wang rechnet damit, dass L3- und L4-Technologien früher als erwartet serienreif werden. BYD hat dafür Trainingszentren in Europa, Südamerika, Südostasien und dem Nahen Osten aufgebaut. Außerdem übernimmt der Konzern unter bestimmten Bedingungen die Haftung, wenn das Fahrassistenzsystem aktiv ist — ein deutliches Signal für das Vertrauen in die eigene Technologie.

Kurs nahe am Jahrestief

Die operative Dynamik spiegelt sich im Kurs noch nicht wider. Die BYD-Aktie notiert bei 9,52 Euro und damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 9,37 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 13 Prozent verloren, auf Jahressicht sogar fast 39 Prozent. Der RSI liegt bei 33 — technisch im überverkauften Bereich.

Ob die angekündigten Kapazitätserweiterungen und das Exportwachstum das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen, wird sich spätestens zeigen, wenn BYD konkrete Absatzzahlen für das zweite Halbjahr vorlegt.