BYD hat Tesla im zweiten Quartal 2026 beim Absatz reiner Elektroautos wieder überflügelt. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung: Am Freitag ging das Papier 7,38 Prozent höher aus dem Handel, binnen sieben Handelstagen summiert sich das Plus auf 15,56 Prozent. Zum Wochenschluss stand der Kurs bei 9,58 Euro.

Weniger Autos, trotzdem an der Spitze

Der Vergleich mit Tesla wirkt auf den ersten Blick paradox. BYD lieferte im zweiten Quartal 557.090 batterieelektrische Fahrzeuge aus – ein Rückgang von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Tesla kam im selben Zeitraum auf 480.126 ausgelieferte Fahrzeuge, ein Plus von 25 Prozent. Trotz des eigenen Rückgangs blieb BYD damit vorn.

Rechnet man Plug-in-Hybride hinzu, wächst der Abstand deutlich. BYD verkaufte seit Jahresbeginn rund 1,8 Millionen Fahrzeuge aller Antriebsarten – mehr als das Dreifache von Teslas reinem E-Auto-Volumen. Allein im Juni summierten sich die Gesamtverkäufe auf 403.472 Einheiten, ein Plus von 5,46 Prozent zum Vorjahresmonat. Über das erste Halbjahr betrachtet fiel die Bilanz aber schwächer aus: Die kumulierten Verkäufe von Januar bis Juni sanken um 15,72 Prozent auf 1,808 Millionen Fahrzeuge.

Der Heimatmarkt schwächelt, das Ausland rettet die Quartalsbilanz

Der eigentliche Treiber hinter BYDs Comeback liegt außerhalb Chinas. Im Juni exportierte der Konzern 175.349 Fahrzeuge – ein Rekord und ein Sprung von 94,73 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Diese Auslandsverkäufe machten im Juni bereits 43,46 Prozent des gesamten NEV-Absatzes aus.

Für das komplette Quartal ergibt sich ein ähnliches Bild. Die internationalen Verkäufe erreichten 471.091 Einheiten, ein Anstieg von 82,46 Prozent zum Vorjahr und von 46,68 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. In China dagegen bleibt die Nachfrage schwach: Die Verkäufe sanken im Juni um 22,02 Prozent auf 228.123 Einheiten, wenn auch mit einer leichten Erholung von 2,39 Prozent gegenüber Mai.

Kurz gesagt: Ohne das Auslandsgeschäft wäre BYDs Quartal deutlich schwächer ausgefallen. Die Gesamtauslieferungen von Neuenergiefahrzeugen legten im Quartalsvergleich um 58,19 Prozent zu, lagen aber immer noch 3,24 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Konkurrenz aus China drängt ebenfalls nach draußen

BYD ist mit dieser Exportstrategie nicht allein. Mehrere chinesische Hersteller expandieren zeitgleich ins Ausland und erhöhen damit den Druck auf Preise und Marktanteile außerhalb Chinas. Für BYD bedeutet das: Der Erfolg im Export lässt sich nicht einfach fortschreiben, sondern muss gegen wachsende einheimische Konkurrenz verteidigt werden.

Das Management bleibt trotzdem optimistisch. BYD rechnet für 2026 mit Auslandsverkäufen von 1,5 Millionen Fahrzeugen – deutlich über dem eigenen offiziellen Ziel von 1,3 Millionen. Analysten von Morgan Stanley gehen sogar von 1,6 bis 1,8 Millionen Einheiten aus.

Charttechnik zeigt noch keine Trendwende

Der jüngste Kurssprung hat die Aktie zwar belebt, den langfristigen Abwärtstrend aber nicht gebrochen. Das Papier notiert weiterhin 3,83 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,96 Euro und 10,96 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,76 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 14,80 Euro aus dem Juli 2025 fehlen noch 35,27 Prozent, während der Abstand zum erst wenige Tage alten Tief von 8,03 Euro auf 19,29 Prozent angewachsen ist.

Der RSI liegt bei 56,6 – ein neutraler Wert ohne klares Überkauft-Signal. Die annualisierte Volatilität von 40,40 Prozent zeigt aber, wie nervös der Markt auf Auslieferungszahlen und Wettbewerbsmeldungen reagiert. Auf Jahressicht steht die Aktie noch 12,55 Prozent im Minus, gegenüber dem Vorjahr sogar 28 Prozent tiefer.

Der starke Wochenschluss ändert daran wenig. Ob BYD den Vorsprung vor Tesla ins zweite Halbjahr retten kann, hängt maßgeblich davon ab, ob die angepeilten 1,5 Millionen Auslandsverkäufe tatsächlich erreicht werden – und ob die Schwäche im Heimatmarkt nicht weiter zunimmt.