Knapp über dem 52-Wochen-Tief, RSI unter 30, Kurs fast 37 Prozent unter dem Niveau vor einem Jahr — BYD steckt in einer ausgeprägten Schwächephase. Und das, obwohl UBS die Aktie gerade hochgestuft hat.

Die Schweizer Bank hält an ihrer Kaufempfehlung fest und erhöhte das Kursziel für die H-Aktien. Begründung: BYD verzeichnete im Mai erstmals seit September 2025 wieder ein Absatzplus im Jahresvergleich. Das überraschte den Markt. UBS sieht außerdem Anzeichen für eine Erholung des Marktanteils in China und eine bessere Ertragsentwicklung im laufenden Quartal.

Rekordexporte kaschieren schwaches Heimatgeschäft

Die Mai-Zahlen sind ein Bild mit zwei Seiten. BYD verkaufte 383.453 Elektrofahrzeuge — ein minimales Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit endete eine acht Monate lange Durststrecke.

Der Treiber war das Auslandsgeschäft. Overseas-Verkäufe kletterten auf ein Rekordhoch von 160.644 Einheiten — ein Anstieg von 80 Prozent gegenüber Mai 2025. Mehr als 41 Prozent aller Mai-Verkäufe gingen ins Ausland.

In China selbst läuft es schlechter. 222.809 Fahrzeuge wurden im Inland abgesetzt — ein Rückgang von 24 Prozent. Kumuliert über die ersten fünf Monate 2026 liegt BYD mit rund 1,4 Millionen verkauften Fahrzeugen noch immer gut 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Umbau und Expansion

BYD reagiert mit einer internen Neustrukturierung. Das zentrale Automotive Engineering Research Institute soll in fünf eigenständige Markenforschungszentren aufgeteilt werden. Ziel ist es, Überschneidungen im Produktportfolio zu reduzieren und die Ingenieurkapazitäten besser zu koordinieren.

International baut BYD seine Präsenz aus. In Brasilien strebt das Unternehmen bis Anfang 2027 einen lokalen Fertigungsanteil von 50 Prozent an. Hinzu kommt eine geplante Investition von 100 Millionen Dollar in Batteriespeichersysteme für das brasilianische Stromnetz. Langfristig will BYD bis 2030 zur führenden Automarke des Landes werden.

In Europa gibt es Gegenwind. Am ungarischen Werk in Szeged — BYDs erstem Produktionsstandort in Europa — laufen polizeiliche Ermittlungen wegen angeblicher Verstöße gegen Umweltvorschriften beim Bau. Die ungarischen Behörden verhängten eine Geldstrafe von zehn Millionen Forint. BYD-Vizepräsidentin Stella Li wies die Vorwürfe zurück. Der Probebetrieb in Szeged läuft seit Anfang 2026; der vollständige Montagebetrieb soll im vierten Quartal starten.

Technisch tief im roten Bereich

Der Kurs liegt bei 8,90 Euro — nur einen Wimpernschlag über dem 52-Wochen-Tief von 8,82 Euro. Alle relevanten gleitenden Durchschnitte zeigen nach oben, der Kurs notiert weit darunter. Der RSI von 25,6 signalisiert überverkaufte Bedingungen.

UBS sieht in den steigenden Ölpreisen seit März einen strukturellen Rückenwind für BYD außerhalb Chinas. Hält das Exportwachstum an, könnte das Jahresziel von 1,5 Millionen Auslandsverkäufen sogar übertroffen werden — ein Faktor, den der Markt bislang kaum einpreist.