BYD-Aktien ziehen am Donnerstag weiter an: Das Papier notiert bei 10,47 Euro und liegt damit 1,14 Prozent über dem gestrigen Schlusskurs von 10,35 Euro. Über die vergangenen 30 Handelstage hat sich der Kurs um 28,36 Prozent verteuert – zum bisherigen Jahreshoch aus dem Sommer 2025 fehlen aber noch rund 24 Prozent. Befeuert wird die jüngste Rally von einer Serie operativer Nachrichten, die den chinesischen Autobauer als globalen Wachstumstreiber der Elektromobilität bestätigen.
Volle Auftragsbücher und Kapazitätsausbau
Aus dem Hongkonger Handel wird berichtet, dass BYD seit der Einführung seiner Blitzlade-Technologie und mehrerer neuer Modelle mit prall gefüllten Auftragsbüchern arbeitet. Das Unternehmen treibe deshalb den Ausbau seiner Produktionskapazitäten voran, heißt es. Die Meldung passt zu einem weiteren Meilenstein: Im Juli lief bei BYD das 17-millionste New-Energy-Fahrzeug vom Band – nach Unternehmensangaben ein globaler Rekord unter Autoherstellern. Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte BYD kumuliert mehr als 1,8 Millionen Fahrzeuge, davon über 780.000 im Ausland.
Der Konzern belegt in der aktuellen Fortune-Global-500-Liste 2026 bereits zum fünften Mal in Folge einen Platz unter den 100 größten Unternehmen der Welt, aktuell Rang 91. Für das Geschäftsjahr 2025 wies BYD einen Umsatz von 804 Milliarden Yuan und einen Nettogewinn von 32,6 Milliarden Yuan aus, bei Forschungs- und Entwicklungsausgaben von 63,4 Milliarden Yuan. Die Auslandsverkäufe legten 2025 um 145 Prozent auf über eine Million Fahrzeuge zu, BYD ist inzwischen in 121 Ländern präsent.
Europa als Wachstumsmotor mit Schattenseiten
Besonders dynamisch verläuft die Expansion in Europa: Die Verkäufe von Elektrofahrzeugen stiegen dort 2025 um rund 270 Prozent, im ersten Quartal 2026 nochmals um 156 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Anders als etablierte Hersteller finanziert BYD seine Fahrzeuge über europäische Banken und Leasingpartner statt über eine eigene Finanzierungstochter. In Deutschland stieg der Einzelhandelsanteil von 12,4 Prozent im Jahr 2025 auf 32,5 Prozent im Zeitraum Januar bis April 2026.
Allerdings gibt es auch Warnsignale: Von den seit Dezember 2022 in Deutschland zugelassenen 30.472 BYD-Fahrzeugen sind laut dem Branchenexperten Matthias Schmidt nur 18.536 tatsächlich noch im Straßenverkehr unterwegs – ein Hinweis auf mögliche Zulassungen zu Bilanzzwecken. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management ordnet die Entwicklung so ein: BYD gewinne Marktanteile, allerdings auf Kosten der Marge, während der Restwert der Fahrzeuge das zentrale Risiko für Finanzierer bleibe. Im Vereinigten Königreich hat BYD unterdessen die Marke von 100.000 Fahrzeugzulassungen überschritten, nur drei Jahre nach dem Marktstart im März 2023. Allein im ersten Halbjahr 2026 kamen 37.995 Neuzulassungen hinzu, das Händlernetz wuchs von 5 auf 143 Standorte.
Türkei-Streit belastet, Sicherheitszertifikat stärkt Heimatmarkt
Gegenläufig entwickelt sich das Geschäft in der Türkei. Ein WTO-Panel stufte den zusätzlichen Einfuhrzoll von 40 Prozent auf chinesische Elektrofahrzeuge als regelwidrig ein. Ankara hatte die Abgabe im Juni 2024 eingeführt und im September 2025 durch einen 30-Prozent-Aufschlag beziehungsweise einen Mindestbetrag von 8.500 US-Dollar pro Fahrzeug ersetzt. BYDs geplante Milliarden-Investition in ein Werk in Manisa mit einer Kapazität von 150.000 Fahrzeugen liegt auf Eis, seit Januar 2026 hat Ankara zudem die Förderzusagen für BYD ausgesetzt. Die Folgen zeigen sich in den Verkaufszahlen: In der ersten Jahreshälfte 2026 brach der Absatz in der Türkei um 73,3 Prozent auf 6.809 Fahrzeuge ein, nach 25.501 im Vorjahreszeitraum.
Auf der Heimatmarktseite konnte BYD dagegen einen regulatorischen Erfolg verbuchen: Das Unternehmen erhielt am Dienstag die Sicherheitsmanagement-Zertifizierung für Chinas kommenden verpflichtenden L2-Fahrassistenzstandard GB 47955-2026, der ab Januar 2027 gilt. BYD erklärte, das eigene Assistenzsystem God’s Eye übertreffe die Mindestanforderungen des Standards, an dessen Ausarbeitung der Konzern gemeinsam mit Wettbewerbern wie Xiaomi, Tesla und NIO beteiligt war. Die L2-Durchdringung bei chinesischen Neuwagen liegt 2026 bereits bei 70 Prozent.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ liefert BYD mit Rekordproduktion, prallen Auftragsbüchern und rasantem Europawachstum weiter Argumente für die jüngste Kursrally. Gleichzeitig zeigen der Streit mit der Türkei und die Diskussion um Restwerte in Deutschland, dass die internationale Expansion nicht frei von politischen und finanziellen Risiken verläuft.
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