BYD schraubt seine Exportziele weiter nach oben. Nach Angaben von Brokerhäusern, die an einem Treffen mit dem Management teilnahmen, erwartet der chinesische Autobauer für 2027 Fahrzeugauslieferungen ins Ausland von mehr als 2,5 Millionen Einheiten. Für 2026 nennt das Unternehmen laut denselben Quellen ein Zwischenziel von 1,9 bis 2,0 Millionen Fahrzeugen. Reuters berichtete über die Angaben am 8. September.

Die Zahlen unterstreichen, wie stark BYD sein Wachstum inzwischen außerhalb Chinas sucht. Im heimischen Markt sinken die Verkäufe seit elf Monaten in Folge, während BYD und andere chinesische Hersteller im August Rekordvolumen ins Ausland verschifften. Der Auslandsmarkt wird damit zum entscheidenden Wachstumstreiber, während die Nachfrage in China schwächelt.

Europa rückt stärker in den Fokus

Ein zentraler Baustein der Expansionsstrategie ist Europa. Auf der IAA in Hannover kündigte ein leitender BYD-Manager an, dass das Unternehmen 2027 seinen ersten schweren Lkw auf dem europäischen Markt einführen will. Langfristig soll die Produktion vor Ort erfolgen, statt Fahrzeuge ausschließlich aus China zu importieren. Diese lokale Fertigung würde BYD unabhängiger von Handelsbeschränkungen machen und zugleich Lieferzeiten verkürzen.

Die Ambitionen kommen nicht ohne politischen Gegenwind. In den USA äußerte Verkehrsminister Sean Duffy Anfang September „tiefe Besorgnis“ über Fords Geschäftsbeziehungen zum chinesischen Batteriehersteller CATL sowie zu den Autobauern Geely und BYD.

Die Aussage betraf zwar primär Fords Lieferkette, zeigt aber, wie sensibel westliche Regierungen auf die wachsende Präsenz chinesischer Hersteller reagieren – ein Umfeld, in dem BYD seine Europa-Pläne umsetzen muss.

Kurs bleibt unter Druck

An der Börse spiegelt sich die widersprüchliche Gemengelage aus Wachstumsambitionen und politischem Risiko in einer schwachen Kursentwicklung wider. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 8,77 Euro und liegt damit rund 30 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro, das Anfang Oktober markiert wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 18 Prozent zu Buche.

Die ehrgeizigen Exportziele für 2027 dürften daher zunächst vor allem als langfristiges Signal an die Anleger wirken. Ob BYD die avisierten Stückzahlen tatsächlich erreicht, hängt maßgeblich davon ab, wie sich der Marktzugang in Europa und den USA angesichts wachsender politischer Vorbehalte entwickelt.

Die geplante lokale Truck-Produktion in Europa ab 2027 wäre ein erster konkreter Schritt, um diesem Risiko zu begegnen – vollzogen ist davon bislang nichts, die Pläne befinden sich in der Ankündigungsphase.