Starke Verkaufszahlen, ein neues Werk und jetzt ein gigantischer Infrastruktur-Plan. Operativ schaltet BYD in Europa in den nächsten Gang. An der Börse herrscht dagegen Tristesse. Die Aktie markierte am Dienstag ein neues 52-Wochen-Tief.

Der chinesische Autobauer investiert fast zwei Milliarden Euro in ein eigenes europäisches Schnellladenetz. Das Ziel: eine lückenlose Versorgung. Bis Anfang 2027 will der Konzern rund 3.000 dieser Anlagen aufbauen. Ein Großteil davon entsteht zeitnah in Großbritannien.

Damit baut BYD sein Ökosystem massiv aus. Das Unternehmen exportiert nicht mehr nur Autos, sondern verankert sich tief im Markt. Die Verkaufszahlen stützen diesen Kurs. Bis Mai lieferte BYD in Europa über 100.000 Fahrzeuge aus. Das entspricht einem satten Plus von 144 Prozent. Parallel dazu startet Ende des Jahres die Produktion im neuen ungarischen Werk.

Die Börse ignoriert diese operativen Erfolge komplett. Am Dienstag rutschte das Papier auf 8,03 Euro ab. Seit Jahresbeginn verlor der Titel rund ein Viertel seines Wertes. Technische Indikatoren schlagen mittlerweile Alarm. Der Relative-Stärke-Index fällt mit einem Wert von 18,9 tief in den überverkauften Bereich.

Ungeachtet des Kursverfalls treibt das Management die Expansion voran. Im Spätsommer rollt der Dolphin G DM-i zu den Händlern. Es ist das erste Modell, das BYD speziell für europäische Kunden entwickelt hat. Nächstes Jahr integriert der Konzern seinen neuen „Xuanji A3“-Chip für autonomes Fahren in die Serienproduktion.

CEO Wang Chuanfu hält an seinem ambitionierten Ziel fest. Innerhalb von fünf Jahren will er BYD zum weltgrößten Autobauer machen. Der erste Lackmustest für diese Strategie folgt im Spätsommer. Dann müssen die Auslieferungen des neuen Europa-Modells beweisen, ob die milliardenschwere Infrastruktur-Wette aufgeht.