In Europa überholt BYD im Mai Tesla bei den Neuzulassungen. An der Börse spielt das bislang keine Rolle.

Chinesischer Hersteller verdoppelt Europa-Volumen

Die Zahlen sind eindeutig. BYD verzeichnete im Mai 2026 in der Region EU, EFTA und Großbritannien 32.380 Neuzulassungen — ein Plus von 137 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Marktanteil kletterte auf 2,8 Prozent, nach 1,2 Prozent ein Jahr zuvor.

Tesla kam im selben Monat auf 28.610 Zulassungen in der gleichen Region. BYD lag damit erstmals klar vorn. Auch im Fünf-Monats-Vergleich führt BYD: 135.307 Zulassungen von Januar bis Mai stehen 118.068 bei Tesla gegenüber.

Der Rückenwind kommt vom Gesamtmarkt. Laut dem europäischen Herstellerverband ACEA entfielen in den ersten fünf Monaten 2026 bereits 20 Prozent des EU-Marktes auf reine Elektroautos — nach 15,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Benziner und Diesel kamen zusammen nur noch auf 30 Prozent Marktanteil.

Kurs nahe Jahrestief

Der Aktienkurs erzählt eine andere Geschichte. BYD schloss zuletzt bei 8,54 Euro — nur knapp zwei Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 8,37 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 22 Prozent verloren. Alle drei gleitenden Durchschnitte liegen deutlich darüber: der 50-Tage-Schnitt bei 10,35 Euro, der 200-Tage-Schnitt bei 10,86 Euro.

Der RSI von 23 zeigt überdeutlich überverkaufte Bedingungen. Das bedeutet: Der Markt hat die jüngsten Verkaufswellen noch nicht verdaut.

Zulassungen sind kein Gewinnausweis

Wachstum in Europa ist eine Sache. Rentabilität eine andere. Neuzulassungen zeigen Nachfrage und Marktanteile — aber nicht, was BYD pro Fahrzeug verdient. Außerhalb Chinas fallen erhebliche Kosten an: Logistik, Händlernetzwerke, Marketingaufbau. Hinzu kommt der Preiskampf im Heimatmarkt China, der die Margen unter Druck hält.

Das ist der eigentliche Kern der Investorenskepsis. Europa läuft gut. Aber ob das reicht, um die Profitabilität insgesamt zu stützen, bleibt offen.

Was den Kurs bewegen könnte

Der Kontrast ist scharf: BYD überholt Tesla in Europa, während die Aktie nahe ihrem Jahrestief notiert. Für eine Neubewertung braucht es mehr als starke Zulassungszahlen. Investoren warten auf Belege, dass das europäische Wachstum auch in den Margen ankommt — konkret in den nächsten Quartalszahlen. Erst dann dürfte der Markt bereit sein, die Lücke zwischen operativer Dynamik und Börsenbewertung zu schließen.