BYD notiert nur einen Wimpernschlag über seinem 52-Wochen-Tief. Der RSI von 25,6 signalisiert überverkauftes Terrain. Ausgerechnet jetzt hebt UBS das Kursziel auf 135 HKD an und behält das „Buy“-Rating bei.

Die Aktie schloss den Freitag bei 8,90 Euro — gerade einmal 0,85 Prozent über dem Jahrestief von 8,82 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 19 Prozent verloren. Auf Jahressicht sind es sogar 35 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 10,61 Euro, der aktuelle Kurs damit rund 16 Prozent darunter.

Brasilien als strategische Wette

Während der Heimatmarkt China hart umkämpft bleibt, baut BYD sein Standbein in Südamerika aus. In Camaçari im brasilianischen Bundesstaat Bahia investiert das Unternehmen umgerechnet rund 1,08 Milliarden US-Dollar in einen Produktionsstandort. Bis Anfang 2027 sollen 50 Prozent der dort gefertigten Fahrzeuge aus lokaler Wertschöpfung stammen.

Das Werk ist breiter angelegt als reine Pkw-Fertigung. Zwischen 50 und 60 Millionen BRL fließen in die Montage von Busbatterien. Bis zu 500 Millionen BRL sind für stationäre Energiespeichersysteme vorgesehen. Vom brasilianischen Standort aus plant BYD jährlich 100.000 Fahrzeuge in Nachbarländer wie Mexiko und Argentinien zu exportieren. Im brasilianischen Markt für Plug-in-Fahrzeuge hält das Unternehmen bereits einen Anteil von 13,5 Prozent.

EU-Zölle und der Schwenk zu Hybridfahrzeugen

In Europa läuft BYD seit Ende 2024 gegen EU-Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge an. Die Antwort war pragmatisch: Das Unternehmen verlagerte seinen Fokus auf Plug-in-Hybride. Das funktionierte — die Zulassungszahlen stiegen schneller als bei rein elektrischen Wettbewerbern.

Nun droht der nächste Gegenwind. Die EU-Kommission prüft offenbar neue Handelsmaßnahmen, die gezielt chinesische Hybridfahrzeuge treffen sollen. Analysten gehen davon aus, dass zusätzliche Zölle BYDs Expansion in Europa bremsen, aber nicht stoppen werden. Als langfristige Absicherung setzt das Unternehmen auf lokale Produktion — der europäische Hauptsitz in Budapest ist Teil dieser Strategie.

Technologiedemonstration mit dem Denza Z9 GT

Auf der Produktseite schickt BYDs Premiummarke Denza den Z9 GT auf eine 43-tägige Fahrt von Rom nach Hongkong. Das Fahrzeug kommt laut Hersteller auf eine Reichweite von bis zu 1.036 Kilometern und lädt in fünf Minuten von zehn auf 70 Prozent. Die Aktion zielt darauf ab, technologische Leistungsfähigkeit öffentlichkeitswirksam zu demonstrieren.

Ob das UBS-Kursziel in der kommenden Handelswoche Wirkung zeigt, entscheidet sich an einer einzigen Marke: 8,82 Euro. Hält die Unterstützung, könnte der überverkaufte RSI als Ausgangspunkt für eine Gegenbewegung dienen. Bricht sie, wäre das Jahrestief Geschichte.