Der chinesische Elektrofahrzeughersteller BYD treibt den technologischen Generationswechsel bei Antriebsbatterien voran. Das Unternehmen bereitet für das Jahr 2027 den Start einer ersten Demonstrationsflotte mit Feststoffzellen vor.

Laut Exekutiv-Vizepräsidentin Stella Li soll die Technologie zunächst in Modellen der gehobenen Konzernmarken wie Yangwang und Denza zum Einsatz kommen, bevor um das Jahr 2030 die breite Massenfertigung anvisiert wird. An den Finanzmärkten sorgte die Ankündigung für ein leichtes Aufatmen: Im gestrigen Handel schloss die BYD-Aktie mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 8,84 Euro.

Hohe Energiedichte und extreme Kälteresistenz

Die neu entwickelte Feststoffzelle basiert auf einer Sulfid-Chemie und erreicht eine Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm. Damit übertrifft die Konstruktion die etablierten Blade-Akkus des Konzerns, die sich typischerweise in einer Spanne von 150 bis 190 Wattstunden pro Kilogramm bewegen, deutlich. Ein mit den neuen Speicherzellen bestückter Prototyp erzielte nach dem chinesischen Prüfzyklus CLTC eine Reichweite von 1.218 Kilometern.

Über die reine Distanz hinaus zielt die Entwicklung auf thermische Stabilität ab. Die Zellen durchliefen automotive Verifikationstests und wiesen bei einer Umgebungstemperatur von minus 30 Grad Celsius noch eine Entladeeffizienz von mehr als 85 Prozent auf. Für die Erprobungsphase plant das Unternehmen eine Flottengröße von rund 1.000 Fahrzeugen, um die Betriebssicherheit im Straßenverkehr vor dem eigentlichen Hochlauf abzusichern.

Megawatt-Laden für die Oberklasse

Parallel zur Feststoffforschung beschleunigt BYD den Ausbau seiner Schnellladekapazitäten für die aktuelle Modellgeneration. Mit der Super e-Platform führt der Konzern eine 1000-Volt-Architektur ein, die mit Ladeleistungen von bis zu 1.000 Kilowatt operieren kann. Über ein Doppelanschluss-System soll die Energieaufnahme für eine Fahrstrecke von 400 Kilometern auf fünf Minuten verkürzt werden.

Als erste Träger dieser Ladetechnik fungieren die Baureihen Han L und Tang L, die zu Einstiegspreisen ab 270.000 Yuan angeboten werden. Zur Unterstützung des Rollouts beabsichtigt BYD, mehr als 4.000 entsprechende Hochleistungsladestationen auf dem chinesischen Heimatmarkt zu errichten.

Technologieführerschaft gegen den Margendruck

Die Innovationsschritte erfolgen in einer Phase intensiven Wettbewerbs auf dem weltweiten Automobilmarkt. Zwar stützt BYD seine Expansion auf eine vertikale Integration mit einer Eigenfertigungsquote von 95 Prozent bei Batterien, dennoch lasten Preissenkungen der Konkurrenz auf der Bewertung des Konzerns.

Seit dem Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Minus von 17 Prozent. Mit dem Vorstoß in der Feststoffchemie und bei Megawatt-Ladesystemen versucht das Management, den technologischen Abstand zu den Mitbewerbern zu wahren und margenstärkere Marktsegmente zu besetzen.