BYD will in Ungarn den europäischen Schlüssel zu seinem Wachstum schmieden. Nun rückt ausgerechnet dieses Prestigeprojekt in den politischen Gegenwind. Im Europäischen Parlament geht es um mutmaßliche Arbeitsrechtsverstöße auf der Baustelle des Werks in Szeged.
Der Fall trifft den chinesischen Elektroautohersteller an einer sensiblen Stelle. Das Werk soll BYD helfen, Fahrzeuge direkt in der EU zu bauen und damit Strafzölle auf importierte E-Autos zu umgehen. Für die Aktie ist das mehr als ein Reputationsproblem.
Brüssel verlangt Antworten
Abgeordnete in Brüssel haben die Europäische Kommission aufgefordert, Vorwürfe zu schlechten Arbeitsbedingungen im Zusammenhang mit dem ungarischen Fabrikbau aufzugreifen. Auslöser ist ein Bericht der Organisation China Labor Watch vom 14. April.
Die Kommission erklärte, sie kenne die Vorwürfe. Nach ihrer Darstellung liegt der Fall bereits bei ungarischen Behörden. Damit bleibt die Sache nicht auf die Ebene einzelner Beschwerden begrenzt, sondern berührt die politische Kontrolle eines strategisch wichtigen Industrieprojekts.
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China Labor Watch spricht von Hinweisen auf Zwangsarbeits-Indikatoren. Genannt werden Schichten von bis zu 14 Stunden, Arbeit an sieben Tagen pro Woche und Lohnverzögerungen über drei Monate. Hinzu kämen Vermittlungsgebühren, die Beschäftigte in Abhängigkeit bringen könnten.
Arbeiter sollen Ermittlern der Organisation berichtet haben, sie seien angewiesen worden, Kontrolleuren falsche Angaben zu ihren Arbeitszeiten zu machen. Diese hätten demnach teils mehr als 70 Stunden pro Woche betragen. Viele Beschäftigte seien zudem mit Geschäftsvisa statt regulären Arbeitserlaubnissen eingereist, was den Zugang zu Gesundheitsversorgung und Rechtsmitteln erschwert haben könnte.
BYD weist den Vorwurf mangelnder Sorgfalt zurück. Ein Sprecher erklärte, der Schutz von Arbeitsrechten und die strikte Einhaltung ungarischer sowie europäischer Regeln hätten für das Unternehmen „höchste Priorität“. Belastend wirkt dennoch, dass ein BYD-Sprecher den Tod eines Arbeiters bei einem Kranunfall am 14. Februar bestätigt hat.
Szeged ist strategisch zentral
Der Standort in Szeged ist BYDs erstes Werk in Europa. Die Anlage soll nach Produktionsversuchen in diesem Jahr im zweiten Quartal 2026 in die volle Produktion übergehen und 2027 vollständig eröffnet werden. Das Investitionsvolumen liegt bei mehr als 4,5 Milliarden Dollar.
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Bei voller Auslastung soll das Werk jährlich 300.000 Autos bauen. Damit würde BYD nicht nur seine Lieferketten in Europa verkürzen, sondern auch seine lokale Industriepräsenz stärken. Genau diese Glaubwürdigkeit steht nun unter Druck.
Brisant ist der Verweis auf frühere Probleme in Brasilien. Ein im Bericht genannter Auftragnehmer in Ungarn gehört zur Jinjiang Construction Group. Diese Unternehmensgruppe war bereits mit einem Skandal an einem BYD-Werk in Brasilien verbunden, bei dem nationale Arbeitsbehörden von Bedingungen „analog zu Sklaverei“ sprachen.
Aktie erholt sich trotzdem
An der Börse setzte sich am Freitag zunächst die Erholung durch. Die in Hongkong notierte H-Aktie schloss bei 110,30 Hongkong-Dollar und gewann 4,95 Prozent. Das deutet darauf hin, dass Anleger die Vorwürfe vorerst nicht als unmittelbare operative Bremse einpreisen.
Der größere Trend bleibt schwach. Auf Jahressicht liegt die Aktie 32,19 Prozent im Minus; die Handelsspanne reichte in diesem Zeitraum von 88,50 bis 159,27 Hongkong-Dollar. Die politische Dimension in Ungarn verschärft die Lage zusätzlich, nachdem Viktor Orbán im April abgewählt wurde und sein Nachfolger chinesische Investitionen an klare Umwelt-, Gesundheits- und Arbeitsschutzstandards knüpft.
Für BYD wird Szeged damit zum Prüfstein. Gelingt der Hochlauf wie geplant, stärkt das Werk die Europa-Strategie erheblich. Ziehen sich Prüfungen oder Verfahren in Ungarn hin, könnte aus dem Standortvorteil ein politisches und operatives Risiko werden.
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