Parallel dazu geraten die etablierten deutschen Autobauer in China immer stärker unter Druck. Für Anleger ergibt sich daraus ein zwiespältiges Bild: Operativ wächst BYD rasant, doch die Aktie notiert weiterhin deutlich unter ihren Höchstständen.

Am Freitag legte das Papier um 3,01 Prozent auf 9,58 Euro zu. Auf Wochensicht steht ein moderates Plus von 0,47 Prozent zu Buche, über 30 Tage hat sich der Kurs kaum bewegt. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie jedoch mit 12,55 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht summiert sich der Rückgang auf 26,87 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,80 Euro aus Ende Juli 2025 trennen den Titel noch immer 35,27 Prozent, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 8,03 Euro aus Ende Juni 2026 bei 19,29 Prozent liegt. Der Kurs notiert damit 1,81 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 10,44 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,70 Euro. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 86,48 Milliarden Euro, der RSI von 55,8 signalisiert keine überhitzte Handelslage.

Neue Modelle im Wochentakt

BYD und seine Marken haben in kurzer Folge gleich mehrere Fahrzeuge beim chinesischen Industrieministerium MIIT eingereicht. Die Premiummarke Denza legte den vollelektrischen SUV N8 neu auf, nachdem die vorherige Plug-in-Hybrid-Version nach weniger als einem Jahr wegen schwacher Nachfrage eingestellt worden war. Das Schwestermodell N8L verkaufte sich im Juni immerhin 4.002 Mal, die gesamte Marke Denza kam im selben Monat auf einen Rekordwert von 20.352 verkauften Fahrzeugen. Zusätzlich reichte Denza die Elektrolimousine Z9S mit zwei Leistungsstufen von 320 und 370 Kilowatt ein.

Auch die Kernmarke BYD erneuert ihr Angebot: Die neue Generation des Tang wird künftig mit Einzelmotor und wahlweise fünf oder sieben Sitzen angeboten, dazu kommt optional Lidar-Technik. Das geplante Flaggschiff mit dem Namen Han soll mit einer Länge von 5.256 Millimetern selbst die Mercedes-Benz E-Klasse übertreffen und in der Elektroversion je nach Konfiguration bis zu 1.008 Kilometer Reichweite erreichen. Der erwartete Einstiegspreis liegt bei 199.800 Yuan. Auch der Kleinwagen Seagull erhält ein Facelift mit größerer Karosserie und Dach-Lidar, der Preis in China startet weiterhin bei rund 69.800 Yuan.

Im Nutzfahrzeugsegment lässt BYD den in Übersee erfolgreichen Pickup Shark unter der Marke Fangchengbao auch in China antreten. Das 1,5-Liter-Turbo-Plug-in-Hybridmodell mit Front- und Heckmotor kommt je nach Quelle auf eine Systemleistung zwischen 430 und 544 PS und soll nach MIIT-Meldung Anfang Juli in den kommenden Monaten auf den heimischen Markt kommen.

Expansion nach Europa und globale Ambitionen

Nach Informationen von TechWeb über Sina Finance verhandelt BYD über den Kauf einer bestehenden Fabrik in Europa, unter anderem mit Stellantis. Das Unternehmen bevorzuge demnach ein eigenes Werk gegenüber einem Gemeinschaftsunternehmen. Hintergrund ist der stark steigende Export: Seit November 2025 verließen monatlich mehr als 100.000 Neuenergiefahrzeuge China, allein im Zeitraum Januar bis April 2026 waren es 456.263 Einheiten gegenüber 285.170 im Vorjahreszeitraum. Die Denza-Modellreihe Z9 wird bereits in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien verkauft, bis Ende 2026 sollen 30 Länder folgen. In Großbritannien feierte zudem der Plug-in-Hybrid-SUV Denza BAO 5 seine Europapremiere, mit einer WLTP-Gesamtreichweite von bis zu 864 Kilometern und einem Startpreis von 142.900 britischen Pfund für die Coupé-Version.

Firmenchef Wang Chuanfu bekräftigte auf der Aktionärsversammlung im Juni das Ziel, die Überseeverkäufe 2026 auf mehr als 1,6 Millionen Fahrzeuge zu steigern und binnen fünf Jahren zum weltweit größten Autohersteller nach Absatz aufzusteigen. Nach seinen Angaben sind bereits 3,15 Millionen BYD-Fahrzeuge weltweit mit Fahrassistenzsystemen unterwegs, die täglich 200 Millionen Kilometer an Daten liefern.

Deutsche Konkurrenz verliert Boden

Während BYD expandiert, brechen die China-Verkäufe der deutschen Hersteller ein. Nach Berichten der Nachrichtenagentur AP sanken die Auslieferungen von Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW und Porsche im zweiten Quartal 2026 im China-Geschäft um 30 bis 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr, für das erste Halbjahr ergibt sich bei allen vier Herstellern ein Rückgang von mehr als 20 Prozent. Volkswagen lieferte in China nur noch 424.300 Fahrzeuge aus, ein Minus von 36,6 Prozent, während der weltweite Absatz um 8,6 Prozent zurückging. Der Wolfsburger Konzern plant laut Caixin Global, die globale Produktionskapazität um eine Million Fahrzeuge zu kürzen und die Modellpalette um bis zu die Hälfte zu reduzieren. Insgesamt fiel der chinesische Pkw-Markt im ersten Halbjahr 2026 um 24 Prozent auf 8,3 Millionen Fahrzeuge.

Nicht alles läuft für BYD jedoch reibungslos: Nach Recherchen von Xpert.Digital lieferte das Unternehmen 2025 rund 4,5 Millionen Fahrzeuge an Händler, aber nur 3,5 Millionen erreichten tatsächlich Endkunden – ein Muster, das als „Null-Kilometer-Gebrauchtwagen“ bekannt geworden ist und mit dem Neuwagen zur Subventionsgewinnung als Gebrauchtwagen registriert werden. Das Industrieministerium MIIT identifizierte in diesem Zusammenhang branchenweit unrechtmäßige Subventionen von 864 Millionen Yuan.