BYD hat im August mit der Massenproduktion eines eigenentwickelten 4D-Millimeterwellen-Radar-Chips begonnen. Der Baustein aus der Xuanji-A3-Architektur, entwickelt von BYD Semiconductor, soll Fahrfunktionen der Stufen L2 bis L4 unterstützen und stärkt die eigene Sensorik-Fertigung des Konzerns.
Parallel brachte BYD den Sealion 08 auf den Markt. Für Anleger zählt jedoch vor allem, wie sich das Auslandsgeschäft im August entwickelt hat – und dort zeigt sich ein deutliches Bild.
Exporte wachsen weiter zweistellig
Die Gesamtverkäufe lagen im August bei 440.293 Fahrzeugen, ein Plus von 17,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Auslandsanteil legte um 134,5 Prozent auf 189.466 Einheiten zu. Bei den reinen Elektro-Pkw stiegen die Auslieferungen um 28,4 Prozent auf 256.230 Fahrzeuge, während Plug-in-Hybride mit 177.154 Einheiten nur leicht zulegten.
In der Summe der ersten acht Monate liegen die Verkäufe von Elektro- und Hybrid-Pkw allerdings noch unter dem Vorjahreswert, was auf die anhaltende Schwäche im chinesischen Heimatmarkt zurückgeht. Nach Daten der China Passenger Car Association dürften die gesamten NEV-Großhandelsverkäufe in China im August branchenweit um 16 Prozent gestiegen sein – bei insgesamt schwacher Endkundennachfrage.
Im ersten Halbjahr summierten sich die Exporte auf 792.000 Fahrzeuge, ein Zuwachs von 67,8 Prozent. Der Auslandsumsatz kletterte auf 181,27 Milliarden Yuan und machte damit bereits 52,6 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das operative Bild bleibt jedoch gemischt: Im zweiten Quartal stieg der Nettogewinn um 30 Prozent auf 8,2 Milliarden Yuan, während der Halbjahresumsatz um 7,1 Prozent auf 344,8 Milliarden Yuan zurückging und der Halbjahresgewinn um 20,5 Prozent auf 12,3 Milliarden Yuan sank. Der Auslandsboom kompensiert damit die Margenprobleme im Heimatmarkt bislang nur teilweise.
Ladeinfrastruktur als Wettbewerbsfaktor
Auch im Servicebereich baut BYD aus: Das Flash-Charging-Netz umfasst derzeit rund 10.000 Stationen, bis Ende 2026 sollen es 20.000 werden. In einem Praxistest in Shanghai lud ein Zehner 7X in 14:39 Minuten auf 82 Prozent auf.
Zum Vergleich: Der Konkurrent NIO setzt auf Akkutausch statt Schnellladen und betreibt aktuell über 4.000 Swap-Stationen, mit einem Ziel von rund 4.600 bis Jahresende. Für internationale Käufer bleibt die Ladeinfrastruktur ein entscheidender Faktor bei der Kaufentscheidung, und BYD positioniert sich hier klar als Volumenanbieter.
Zusätzlich verlagert BYD Teile seiner Fertigung: Die Kabelbaum-Produktion zieht von Xi’an nach Fufeng um, wo die Belegschaft von 7.200 auf 10.000 Mitarbeiter wachsen soll. Eine neue Stanzlinie mit einer Monatskapazität von 100.000 Fahrzeugsätzen ging Ende August in Betrieb. Solche Verlagerungen deuten auf eine breitere Restrukturierung der Lieferkette hin, mit der BYD Kosten senken und Kapazitäten bündeln will.
Bewertung am Markt bleibt gedämpft
Die BYD-Aktie notiert bei 9,41 Euro und damit rund 25 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro aus dem Oktober. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Minus von 21 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 12 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 37,9 signalisiert eine eher schwache, aber nicht überverkaufte Marktstimmung.
Die operative Story bleibt zweigeteilt: Starke Exportzahlen und technologische Fortschritte bei Chips und Ladeinfrastruktur stehen einem schrumpfenden Heimatmarktgeschäft und sinkender Gesamtmarge gegenüber. Ob der Auslandsschwung ausreicht, um die Profitabilität mittelfristig zu stabilisieren, wird sich an den kommenden Quartalszahlen zeigen müssen.
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