BYD wagt einen radikalen Schritt: Der weltgrößte Elektroautobauer übernimmt ab sofort die vollen Unfallkosten, wenn sein assistiertes Fahrsystem aktiv ist. Kein anderer Großhersteller bietet bisher eine solche Haftungsgarantie — weder für intelligentes Parken noch für städtisches Autonomfahren.
Die Ankündigung erfolgte am 28. Mai auf BYDs Strategie-Event zur Fahrzeugintelligenz. Dort präsentierte das Unternehmen auch Chinas ersten selbst entwickelten 4-Nanometer-Chip für autonomes Fahren.
Volle Deckung, keine Obergrenze, keine Prämienerhöhung
Die Garantie gilt für Fahrer, die BYDs urbanes „Navigate-on-Autopilot“-System regelkonform nutzen und einen Unfall verursachen. BYD übernimmt dann sämtliche direkten wirtschaftlichen Schäden: Reparaturen am eigenen Fahrzeug, Sachschäden Dritter und Personenschäden.
Anders als marktübliche Versicherungsprodukte für assistiertes Fahren ist BYDs Programm kostenlos, kennt keine Entschädigungsobergrenze und wirkt sich nicht auf künftige Versicherungsprämien aus. Die Deckung läuft ein Jahr lang für Nutzer der God’s-Eye-A- und -B-Systeme mit der neuesten 5.0-Software. Bestandskunden erhalten den Schutz nach einem Over-the-Air-Update. Die Garantie ist nicht auf Erst- oder Haupthalter beschränkt.
Kalkuliertes Vertrauen
Die Haftungszusage folgt einem erprobten Muster. Nachdem BYD im Vorjahr eine ähnliche Garantie für intelligentes Parken einführte, stieg die Nutzungsrate von 21 auf 93 Prozent. Die Unfallrate blieb nahe null. Jetzt überträgt der Konzern die Logik auf den Stadtverkehr.
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3,15 Millionen BYD-Fahrzeuge mit Assistenzsystemen sind inzwischen unterwegs. Sie generieren bis zu 200 Millionen Kilometer Fahrdaten pro Tag. Auf demselben Event stellte BYD den Xuanji A3 vor — Chinas ersten selbst entwickelten 4-Nanometer-Chip für autonomes Fahren. Die Drei-Chip-Architektur liefert über 2.100 TOPS kombinierte Rechenleistung.
Preisdruck auf Wettbewerber
Der Preisabstand zu Konkurrenten ist drastisch. BYDs LiDAR-gestütztes God’s-Eye-B-System kostet einmalig 12.000 Yuan (rund 1.770 US-Dollar). Teslas Äquivalent in China schlägt mit 64.000 Yuan (etwa 9.400 US-Dollar) zu Buche — ohne Abo-Option.
Der Hintergrund: wachsende Sicherheitskontroversen und schwindendes Vertrauen in autonome Fahrsysteme. In den USA und China häufen sich seit ein bis zwei Jahren Unfälle mit ADAS- und Autonomfahr-Funktionen. Regulierungsbehörden verschärfen die Auflagen.
Hauptversammlung und Dividendenstichtag
Die Technologie-Offensive fällt in eine kritische Unternehmensphase. Das Aktienregister ist vom 4. bis 9. Juni für die Hauptversammlung geschlossen, vom 15. bis 18. Juni zur Feststellung der Dividendenberechtigung.
BYD lädt für den 9. Juni zur Hauptversammlung nach Shenzhen. Auf der Tagesordnung: Genehmigung des Vorstands- und Prüfberichts 2025, Jahresabschluss, Geschäftsbericht und Gewinnverwendung. Die Versammlung entscheidet außerdem über die Bestellung von Ernst & Young Hua Ming als alleinigem Abschluss- und Internem-Kontrollsystem-Prüfer für 2026.
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Finanziell geht es um viel. Die Aktionäre sollen einen Garantierahmen von bis zu 150 Milliarden Yuan für Kreditsicherheiten an Tochtergesellschaften und Beteiligungen genehmigen. Ein Sonderbeschluss würde die Emission von bis zu 50 Milliarden Yuan an Schuldtiteln autorisieren — darunter kurzfristige Commercial Papers, mittelfristige Schuldverschreibungen, Unternehmensanleihen, Asset-Backed Securities, Offshore-Renminbi-Anleihen und Wandelanleihen.
BYD schlägt eine ordentliche Schlussdividende von 0,358 Yuan je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 vor. Genehmigungsdatum ist der 9. Juni 2026.
Gewinndruck rahmt die Weichenstellung
Die Autonomfahr-Wende erfolgt in einem anspruchsvollen Umfeld. Der den Aktionären zuzurechnende Nettogewinn brach im ersten Quartal 2026 um 55,38 Prozent auf 4,09 Milliarden Yuan ein. Der Umsatz sank um 11,82 Prozent auf 150,23 Milliarden Yuan.
Auslandslieferungen wuchsen robust und kompensierten anhaltende Schwäche im Heimatmarkt. BYDs Inlandsverkäufe fielen um 24 Prozent — der 13. Rückgang in Folge. Das Management hob das Exportziel für 2026 auf 1,5 Millionen Einheiten an. Der internationale Markt wird künftig eine größere Rolle spielen.
Am 1. Juni 2026 notierten BYDs H-Aktien bei 91,15 Hongkong-Dollar. Die 52-Wochen-Spanne reicht von 88,50 bis 143,60 Hongkong-Dollar. Die Hauptversammlung am 9. Juni und der Ex-Dividenden-Tag am 11. Juni markieren die nächsten Meilensteine für H-Aktien-Investoren.
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