BYD-Aktien legen am Mittwoch deutlich zu und notieren bei 10,36 Euro, ein Plus von 2,05 Prozent im Tagesverlauf. Der Kurs hat sich damit in den vergangenen 30 Tagen um 25,87 Prozent erholt. Treiber der jüngsten Stärke sind gleich mehrere Nachrichten: China hat einen beschleunigten Fahrplan für vernetzte Elektrofahrzeuge angekündigt, BYD hat im zweiten Quartal die globale Führungsrolle bei reinen Elektroautos von Tesla zurückerobert, und der Konzern sichert sich einen milliardenschweren Batteriespeicher-Auftrag in Abu Dhabi.

Rückkehr an die Spitze der E-Auto-Welt

Im zweiten Quartal 2026 lieferte BYD weltweit 557.090 batterieelektrische Fahrzeuge aus, Tesla kam auf 480.126 Einheiten. Die Lücke von rund 77.000 Fahrzeugen reicht, um BYD wieder zum größten reinen Elektroautohersteller der Welt zu machen – laut Bloomberg und der Los Angeles Times ein klares Signal für die Verschiebung der Kräfteverhältnisse in der Branche. Besonders kräftig wächst BYD im Ausland: Die Übersee-Verkäufe stiegen um 70,6 Prozent auf 792.256 Fahrzeuge und machen inzwischen 43,8 Prozent des Gesamtabsatzes aus. Zum Vergleich: Der Exportkonzern Geely steigerte seine Ausfuhren im gleichen Zeitraum um 158 Prozent auf 474.228 Einheiten. Beide chinesischen Hersteller expandieren damit deutlich stärker als westliche Konkurrenten wie Volkswagen, BMW oder Mercedes-Benz, deren Verkäufe in China zweistellig einbrachen.

China treibt den Kurs mit neuem Fünfjahresplan an

Auslöser der jüngsten Rally an den Börsen in Hongkong war die Ankündigung des chinesischen Industrieministeriums MIIT, den 15. Fünfjahresplan für intelligente, vernetzte Elektrofahrzeuge vorzuziehen. Die Nachricht ließ Autowerte in Hongkong kräftig steigen: Li Auto legte um 11,01 Prozent zu, Nio um 5,08 Prozent, Xpeng um 4,82 Prozent und BYD um 4,62 Prozent. Der Plan soll autonomes Fahren der Stufe L2 weiter vorantreiben, dessen Durchdringung bereits bei 70,5 Prozent liegt, während Systeme für автоматisiertes Navigieren auf Straßen ohne Kartierung (NOA) auf 34,2 Prozent kommen. China hat inzwischen mehr als 20.000 Testkennzeichen und über 57.000 Kilometer Teststrecken für autonomes Fahren freigegeben.

BYD-Vizepräsidentin Stella Li untermauerte die Zuversicht des Konzerns mit klaren Worten zum US-Markt, den chinesische Elektroautohersteller wegen hoher Strafzölle praktisch nicht bedienen können. „Wir überleben und sind erfolgreich ohne den US-Markt“, sagte Li und verwies auf eine Nachfrage, die das Angebot in Brasilien, Großbritannien und weiten Teilen Europas übersteige. Die neue Flash-Charging-Technologie des Konzerns bezeichnete sie als „Game-Changer“. Gleichzeitig räumte sie ein, dass verstärkter Wettbewerb im Heimatmarkt eine Konsolidierung der Branche wahrscheinlicher mache – die Inlandsverkäufe sind bereits seit sieben Monaten in Folge rückläufig, während die Verkäufe in Europa im ersten Quartal um 156 Prozent zulegten.

Milliardenauftrag verdrängt CATL aus Abu Dhabi

Auch abseits des Autogeschäfts punktet BYD: Beim Batteriespeicherprojekt des Staatsfonds Masdar für eine Solaranlage in Abu Dhabi mit 5,2 Gigawatt Leistung und 19 Gigawattstunden Speicherkapazität sicherte sich BYD den Löwenanteil von 11,275 Gigawattstunden, während Sungrow 7,5 Gigawattstunden erhielt. Der eigentlich als Partner vorgesehene Konkurrent CATL ging trotz eines globalen Marktanteils von über 40 Prozent bei EV-Batterien leer aus. Chinesische Anbieter von Batteriespeichersystemen kontrollierten 2025 zusammen 76 Prozent des Weltmarkts, BYD führte laut Marktdaten des Analysehauses InfoLink im ersten Quartal 2026 die globalen Lieferungen an.

Auf der Produktseite bleibt BYD ebenfalls aktiv: In Japan brachte der Konzern Ende Juli das Leichtelektrofahrzeug RACCO auf den Markt, zugeschnitten auf die dortige Kei-Car-Klasse, die rund ein Drittel aller Neuwagenverkäufe im Land ausmacht. Zudem stellte BYD mit dem Flaggschiff-Modell „Han“ eine Limousine vor, die in der Plug-in-Hybrid-Version nach chinesischem CLTC-Standard eine Reichweite von 1.008 Kilometern erreichen soll.

Trotz der operativen Fortschritte bleibt die Aktie von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 14,25 Euro noch 27,31 Prozent entfernt. Anleger dürften die kommenden Wochen daran messen, ob sich das Übersee-Wachstum fortsetzt und die schwächelnde Nachfrage im Heimatmarkt stabilisiert.