BYD hat im zweiten Quartal 2026 mehr batterieelektrische Fahrzeuge ausgeliefert als Tesla und damit die Führungsposition unter den weltweiten Elektroautoherstellern zurückerobert. Der chinesische Konzern brachte 557.090 reine Elektrofahrzeuge zu Kunden, Tesla kam im selben Zeitraum auf 480.126 Einheiten. Parallel dazu expandiert BYD in mehreren Auslandsmärkten aggressiv weiter – von Japan über Australien bis nach Großbritannien.

Globale Führung bei Elektroautos

Die Auslandsauslieferungen von BYD legten im ersten Halbjahr 2026 auf 792.256 Fahrzeuge zu, ein Plus von 71 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Konzern produziert seine Batterien selbst, während Tesla auf externe Zulieferer angewiesen ist – ein Kostenvorteil, der sich in der aktuellen Absatzdynamik niederschlägt. Zugleich kämpft BYD auf dem chinesischen Heimatmarkt mit Gegenwind: Nach dem Auslaufen der Kaufprämien für Elektrofahrzeuge Ende 2025 waren die Inlandsverkäufe im Februar deutlich eingebrochen, was die Bedeutung des Auslandsgeschäfts für den Konzern zusätzlich unterstreicht.

Vorstoß in Japans Kei-Car-Nische

Am kommenden Montag, den 28. Juli, bringt BYD in Japan mit dem RACCO sein erstes rein elektrisches Kei-Car auf den Markt – jenes streng regulierte Kleinstwagensegment, das ausländischen Herstellern traditionell nur schwer zugänglich ist. Das Modell startet in drei Ausstattungsvarianten zu Preisen zwischen 2,5 und 3,4 Millionen Yen, alle Versionen verfügen serienmäßig über eine elektrische Schiebetür. Shunichi Akama, Vorsitzender des japanischen Kei-Car-Branchenverbands, begrüßte den Markteintritt ausdrücklich und wertete ihn als Beleg dafür, dass die strengen Kei-Car-Normen kein verstecktes Handelshemmnis darstellten, sondern echten Wettbewerb zuließen.

In Australien setzt sich der Höhenflug des Konzerns unterdessen fort: Im Juni verkaufte BYD dort 18.881 Fahrzeuge und verpasste den Spitzenreiter Toyota nur um 243 Einheiten. Der landesweite Boom bei reinen Elektrofahrzeugen, die im Juni erstmals mehr als ein Viertel aller Neuzulassungen ausmachten, spielt BYD mit seinem breiten Modellangebot zwischen Shark-6-Pick-up und V9-Transporter in die Karten.

Neue Modelle: Denza Bao 5 und Flaggschiff Da Han

Die BYD-Luxusmarke Denza hat mit dem Bao 5 einen Plug-in-Hybrid-Geländewagen gestartet, der gezielt den Land Rover Defender angreift. Mit mehr als 500 PS, 56 Meilen rein elektrischer Reichweite und 537 Meilen Gesamtreichweite positioniert sich der Bao 5 in der Ausstattungslinie Elegance bei 69.500 Pfund und unterbietet damit den vergleichbaren Defender-Plug-in-Hybrid, der 72.000 Pfund kostet, um rund 2.500 Pfund. Denza war 2010 als Gemeinschaftsunternehmen von BYD und Daimler gegründet worden, der deutsche Partner war 2024 ausgestiegen.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt der Ausblick auf die neue Limousine Da Han, die BYD auf der Chengdu Auto Show vom 21. bis 30. August erstmals zeigen will. Die Allradversion mit 570 Kilowatt Leistung – umgerechnet 764 PS – soll bis zu 270 km/h schnell sein und mit der zweiten Generation der Blade-Batterie CLTC-Reichweiten von bis zu 1.008 Kilometern erreichen. Eine Plug-in-Hybrid-Variante ist ebenfalls geplant.

Kursreaktion bleibt verhalten

An der Börse hat die Nachrichtenflut den BYD-Titel bislang nur moderat bewegt. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 9,76 Euro, ein Plus von 0,63 Prozent auf Tagesbasis. Auf Monatssicht steht ein Anstieg von 14,06 Prozent zu Buche, der die zunehmende Marktdynamik widerspiegelt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,54 Euro aus dem vergangenen Juli bleibt der Titel mit einem Abstand von 32,86 Prozent jedoch weiterhin deutlich entfernt – ein Hinweis darauf, dass Anleger die operativen Erfolge in Übersee bislang nur zögerlich in die Bewertung einpreisen.